Vom Schnulzensänger zum bösen Buben

'Echo'-Preisträger Dick Brave lässt Sasha vergessen Von Sibylle Mettler Linda. Wir erinnern uns: Es war eine laue Sommernacht in Durach. Das 'Antenne Bayern- Sommerfest'. Jugendliche waren da, Kinder und ihre Eltern auch. Den ganzen Tag über wippten, klatschten, tanzten und sangen sie. Was man als Publikum halt so macht. Dann kam Sasha Schmitz aus Soest. DER Sasha. Vor der Bühne drängten sich Mädchen mit Zahnspangen. Sie kreischten, entblößten ihre Zahnspangen und warfen mit Teddybären nach dem Künstler. Die Rockfans im Publikum setzten sich in Bewegung. Dem Ausgang entgegen. Zeitenwechsel: Ein Montagabend im Mekka der Westallgäuer Untergrund-Musik, dem Club Vaudeville in Lindau. Wieder kommt Sasha Schmitz. Und wieder laufen die Rockfans. Aber dieses Mal nicht raus, sondern rein.

Hin zur Bühne, wo unter tosendem Beifall Dick Brave die Bühne betritt. Das ist Sa-sha Schmitz, diesmal aber unter anderem Namen, anderer Identität und vor allem - mit anderer Musik. Mit sattem, handgemachtem Rock. Mit einem Bass, den man nicht an die Steckdose anstöpseln kann, einem Klavier mit echten Saiten und dem typisch treibenden Rhythmus des Rockabilly. Irgendwo im Publikum ruft einer 'Sasha' zum Mann am Mikro. Der grinst, fragt den Typen, wieviel er für die Eintrittskarte bezahlt habe - und meint dann lakonisch: 'Ziemlich viel Geld für das falsche Konzert'. Denn da auf der Bühne röhrt 'Dick Brave aus Vancouver' in ein Mikrofon, das irgendwie an einen alten Herrenrasierer erinnert. 'Dick' und seine Band, die 'Backbeats' lügen, was das Zeug hält und ziehen ihre falsche Identität gnadenlos durch. Sie erzählen von Vancouver, von dem netten Nachbarsmädel namens Avril Lavigne und entschuldigen sich schulterzuckend für ihren starken 'British Columbia'-Akzent - auf Englisch, wie es sich für eine kanadische Band gehört. Aus dem Schnulzensänger Sasha ist ein böser Bube geworden, der vom Saufen spricht, wie Elvis Presleys kleiner Bruder im Rhythmus erbebt und die Mädels hinter die Bühne locken will. Zur Masche gehört auch, dass Gitarrist Adriano Batolba von einem 'harten Wochenende' spricht. Das Pub-likum quittiert´s mit schallendem Gelächter. Hat Dick Brave doch am Wochenende den deutschen Musik-Oskar 'Echo' als bester deutscher Künstler erhalten. Mann, wie hart!Das Schöne daran ist aber: Dieser Typ mit der aufgebrezelten Haartolle hat diesen Preis verdient - obwohl der Großteil seiner Lieder geklaut ist. Egal, ob 'Get The Party Started' von Pop-Ikone Pink, 'Freedom' von George Michael, 'Complicated' von Avril Lavigne oder 'Walk This Way' von Aerosmith: Sobald der wummernde Bass den Rockabilly-Grundton anschlägt, ist klar: Dieses Lied gehört nur so und nicht anders gespielt. Mi-chael Jackson hat 'Black Or White' bei den 'Backbeats' geklaut und nicht andersrum. Und wer etwas anderes behauptet, der lügt.

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