Vom Ort für schräge Vögel zum Breitensport

Seltmans (aell). - Wer früher im Winter fürs Klettern trainieren wollte, stand vor einem Problem. Zwar hatte der eine oder andere Freund des vertikalen Sportes eine kleine Trainingsecke mit selbst gebastelten Holzgriffen daheim. Aber eine künstliche Wand, die so groß ist, dass es sich lohnt, ein Seil auszupacken, gab es in der Region lange Zeit nicht. Das änderte sich, als in Seltmans der Allgäuer Sportkletterclub in einer ehemaligen Fabrik Pionierarbeit leistete und vor zehn Jahren eine Kletterhalle eröffnete. Der 'Geburtstag' wird am Samstag, 6. März, mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Hier soll man also Klettern können? Wer auf das triste Gelände der ehemaligen Papierfabrik in Seltmans fährt, kann sich mit dem Gdanken nur schwer anfreunden. Doch eine unscheinbare blaue Türe und einige Treppenstufen weiter fangen die Augen vieler Kletterfreunde zu leuchten an. Auf 1540 Quadratmetern können sie sich laut Stefan Brück, Zweiter Vorsitzender des Vereins, austoben. Vor allem Anfänger und Kletterer in mittleren Schwierigkeitsgraden zieht es in Scharen nach Seltmans. Ihnen kommen die meist senkrechten bis leicht überhängenden Wände entgegen. Hier sieht Brück auch den Schwerpunkt des Angebotes: Routen in den Graden vier bis sieben auf der Skala, die bis elf reicht. Damit sucht sich die Halle, die ganz am Anfang auch Leistungszentrum des Deutschen Alpenvereins war, ihren eigenen Platz im immer größeren Angebot der Allgäuer Kletterhallen. Nach Seltmans zieht es vor allem die Familien. Das ist es auch, was zum Charme dieser Halle dazugehört: Da kann es schon mal sein, dass man sich seinen Platz zum Sichern mit einem Dreijährigen teilen muss, der das Seil in seinen Hindernisparcours für das Bobbycar mit einbaut. Doch bis genug Platz für beide Seiten da war, hatten die etwa 20 Mitglieder einiges zu tun. Nachdem im Herbst des Jahres 1993 relativ schnell eine passende Halle für die Idee eines wintertauglichen Klettergartens gefunden war, mussten erst mal die Kletterschuhe gegen Hammer und Bohrer ausgetauscht werden. 750 Balken, 1600 Quadratmeter Holz und etwa eine halbe Tonne Stahl wurden verbaut. Das Ergebnis: Eine Halle mit zu dieser Zeit etwa 800 Quadratmetern Kletterfläche. Damals, als es noch nicht in jeder größeren Stadt eine Halle gab, war das eine Sensation für die Kletterwelt.

Weiter Einzugskreis München und Augsburg zählten zum ganz normalen Einzugskreis für das ansonsten nicht ganz so bekannte Dorf, denn Alternativen zum Allgäuer Modell gab es nur wenige. Heute ist das anders. Doch die Halle hat mit dazu beigetragen, dass aus einem Sport, dessen Anhänger als 'schräge Vögel' und 'potenzielle Selbstmörder' angesehen wurden, mittlerweile eine ganz normale Freizeitbeschäftigung wie jeder andere Breitensport auch geworden ist. i Am Tag der offenen Tür am Samstag, 6. März, ist die Halle ab 13 Uhr für alle Interessierten geöffnet. Neben Schnupperklettern unter erfahrener Anleitung bietet der bekannte Comiczeichner Erbse Köpf seine Dienste an. Er verschönert Helme oder T-Shirts. Um 18.30 Uhr werden Filme von Gerhard Baur und Jürgen Schafroth gezeigt.

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