Füssen
Vom Hirtenbub zum Ehrenbürger

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Er sammelt Auszeichnungen wie andere Leute Briefmarken. Doch dass er nun zum Ehrenbürger der Stadt Füssen ernannt wurde (unsere Zeitung berichtete aktuell), hat für Alfred Köpf «den höchsten Stellenwert». Er brachte dies auf den Nenner: «Vom Hirtenbub zum Ehrenbürger.» Einziger Wermutstropfen für den politischen Haudegen, der 42 Jahre lang für die CSU im Stadtrat saß: Bei der Überreichung der Ehrenurkunde glänzten vor allem etliche Stadträte seiner Partei mit Abwesenheit. Einer von ihnen, der CSU-Ortsvorsitzende Dr. Hans Martin Beyer, war tags darauf schockiert: «Ich habe von dem Termin nichts gewusst.» Andernfalls wäre er natürlich gekommen, beteuert Beyer.

Vor seiner Familie und Freunden, zahlreichen Vertretern von Behörden, aus Wirtschaft und Politik wurde Köpf für seine außergewöhnlichen Leistungen in vielen Bereichen der kommunalen Selbstverwaltung zum Ehrenbürger ernannt. Zuvor hatte Bürgermeister Paul Iacob die vielen Verdienste des 81-Jährigen gewürdigt.

Der Geehrte bedankte sich bei den Füssenern: Sie hätten ihm über 42 Jahre vertraut und ihn immer in den Stadtrat gewählt. Die für seine Verhältnisse kurze Rede spickte er mit vielen Anekdoten: So sei er ja eigentlich als «Entwicklungshelfer» nach Füssen gekommen - denn geboren wurde er in Eschach, ehe die Familie in den nahezu unbebauten Füssener Westen zog. In bescheidenen Verhältnissen aufwachsend - Köpf musste sich als Hirtenbub verdingen - habe ihm der Sport immer viel gegeben.

Mit seiner Frau Franziska bekam er vier Kinder, er baute sein Haus und seinen Betrieb auf - «dann ist die Politik gekommen».

Schon als junger Stadtrat stieß er viele Projekte an, auch gegen Widerstände. Etwa, als es um die Schaffung der Fußgängerzone ging - da habe er nachts Anrufe bekommen: «Du gehörst aufgehängt am Stadtbrunnen», drohten Unbekannte. Er ließ sich aber nicht beirren. «Mir ging es nie um Eigeninteressen, sondern immer um die Allgemeinheit», sagte Köpf unserer Zeitung. Er habe stets für Füssen arbeiten wollen. Dass die Stadt ihn dafür nun auszeichnete, freute ihn: «Das ist ein schöner Tag.»

Allerdings erlebten nicht alle Stadträte diesen schönen Tag mit. Einige wussten nichts von dem Termin. Die Einladung sei Anfang Dezember in die Stadtrats-Fächer im Rathaus gelegt worden, so Hauptamtsleiter Andreas Rist auf Nachfrage. Die Schreiben seien deshalb nicht verschickt worden, da noch eine Ratssitzung anstand. Allerdings lagen diese Einladungen gestern noch in den Fächern einiger Stadträte. «Es ist absolut peinlich», dass er deshalb nicht zu dem Termin gekommen sei, sagt CSU-Chef Beyer selbstkritisch - sieht aber auch ein «Chaos im Informationsfluss» der Verwaltung. Künftig, so heißt es nun aus dem Rathaus, werden solche Einladungen immer verschickt.

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