Vogel, Stadt, Mann - aber keine Frau

Kempten (pa). - Eine Leitlinie, wonach Frauennamen bei der Benennung von Straßen grundsätzlich Vorrang erhalten, wird es in Kempten auch künftig nicht geben. Einen entsprechenden Antrag der Frauenliste hat jetzt der Planungs- und Bauausschuss mit zehn gegen eine Stimme abgelehnt. Gleichwohl sollen, um das bestehende Ungleichgewicht zu verringern, in Zukunft vermehrt Frauennamen berücksichtigt werden. Elisabeth Brock und Ina Schoenborn von der Frauenliste hatten ihren Antrag damit begründet, dass auf den Kemptener Straßenschildern etwa drei Mal mehr Männer- als Frauennamen stünden. Ingrid Jähnig (SPD), die im Ausschuss als einzige die Leitlinie befürwortete, hatte genauer nachgezählt und festgestellt, dass die Differenz - 180 Männernamen und nur 22 Frauennamen - noch viel größer ist. Dagegen hatte Baureferentin Monika Beltinger zu bedenken gegeben, dass in vielen Bereichen die Straßenbenennungen nach einer gewissen Systematik erfolgt seien und man deshalb auf die Namen von Nachbarstraßen Rücksicht nehmen müsse. Das wurde dann gleich an zwei Beispielen in der Praxis durchexerziert. So sind die Straßen im Stiftallmey nach Städten in Württemberg und Vorarlberg benannt. Dazu passend soll die künftige Stichstraße in ein neues Baugebiet Bregenzer Weg heißen.

Vögel geben den Ton an Nach der gleichen Methode verfuhr man beim so genannten Spechtgelände im Stadtteil Thingers. In diesem Neubaugebiet wird die Haupterschließungsstraße Spechtweg heißen. Aber nicht nach den ehemaligen Besitzern, sondern nach dem gleichnamigen Vogel. Denn auch die umgebenden Straßen (Bussard-, Falken-, Spatzenweg) sind nach Vögeln benannt. Während der Bauausschuss diese beiden Straßennamen jeweils einstimmig beschloss, gingen im dritten Fall die Meinungen wieder auseinander. Hier handelt es sich um eine (zunächst nur kurze) Erschließungsstraße für das Gewerbegebiet Oberwang-West, die beim Kreisverkehr von der Memminger Straße abzweigt. Später soll sie verlängert werden und als Hauptzufahrt zum künftigen Neubaugebiet Halde-Nord dienen. Auch hier, so weit war man sich einig, soll nach dem bewährten System verfahren und alle Straßen (auch die künftigen Wohnstraßen) nach einem Oberbegriff ausgewählt werden. In dem Fall sollen es 'Kemptener Persönlichkeiten - Herren und Damen' sein. Beginnen möge man, schlug die Verwaltung vor, mit Tobias Dannheimer (1769 bis 1861), Kemptener Verleger und Gründer der gleichnamigen Buchhandlung. Also das könne sie nun überhaupt nicht verstehen, entrüstete sich Ingrid Jähnig: 'Hier hätte man doch nun wirklich mit einer Frau anfangen können.' Es nützte nichts: Bei zwei Gegenstimmen (Jähnig und Hans Mangold von der ÖDP) entschied sich der Ausschuss für Tobias Dannheimer. Vertagt wurde übrigens die geplante Teil-umbenennung der Steufzger Straße.

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