Kempten
Virtuoser Mozart, berührender Haydn

Kluge Wahl: Für das erste Meisterkonzert im neuen Jahr (das vierte der aktuellen Spielzeit) ging Organisator Dr. Franz Tröger bei der Programmauswahl auf Nummer sicher: So servierte das Südwestdeutsche Kammerorchester im Theater in Kempten mit Werken von Haydn, Mozart und Holst feine, wohl mundende Klassik-Kost.

Ein beschwingter Einstieg war die St. Pauls Suite von Gustav Holst. Dessen «Planeten»-Suite kennt man, aber ansonsten erscheint der Name des Engländers kaum in Konzertprogrammen. Zu Unrecht, wie die fürs Schulorchester geschriebene Suite von 1913 zeigt. Geschickt baut hier Holst Volksliedhaftes ein. Gerade die weit ausladenden und miteinander verwobenen Melodiebögen im Finale wusste das Südwestdeutsche Kammerorchester unter dem beherzten Dirigat von Achim Fiedler transparent zu gestalten.

Meisterwerk mit falschem Namen

Auf den Appetithappen folgte ein Leckerbissen: Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert in Es-Dur (KV 271, bekannt als «Jeunehomme»-Konzert) ist ein Prachtexemplar seiner Gattung. Ein virtuoses Meisterwerk, in dem Piano und Orchester gleichberechtigte Partner sind.

Einer Pianistin namens «Jeunehomme» soll Mozart es gewidmet haben. Doch in Wirklichkeit hieß die offenbar pianistisch hochbegabte Dame Louise Victoire Jenomy, wie Tröger in der Konzerteinführung im Theater-Oben betont hatte.

Packend und sensibel

Pianist Oliver Triendl - in Kempten als künstlerischer Leiter der «Fürstensaal Classix» bekannt - zeigte sich in seinem Element. Noch etwas zurückhaltend gestaltete er das einleitende Allegro. Doch im folgenden, melancholisch dominierten Andantino meisterte er packend und sensibel zugleich den rezitativen Charakter (samt originaler Kadenz) und gab im Dialog mit den zwei Hörnern und zwei Oboen den Ton an. Fulminant, souverän und voller Schwungkraft gestalteten Solist und Orchester das virtuose Finale.

Zutiefst romantisch und poesievoll die Zugabe - der 2. Satz aus Chopins Klavierkonzert f-Moll.

Einen berührenden, vielschichtigen Haydn präsentierte das Orchester nach der Pause. Die Sinfonie Nr. 49 («La Passione»). Auf den elegischen Beginn folgte ein expressiver 2. Satz (mit energischen Celli). Das Bläserquartett sorgte für feine Klangfülle. Und im dynamischen Finale lief das Orchester unter seinem stets fordernden Dirigenten zur Hochform auf. Dieser Haydn machte Lust auf mehr. Langer Applaus.

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