Landkreis Landsberg
Viele Betroffene kommen zu spät

Peter Zwegat ist wohl einer der bekanntesten Schuldnerberater Deutschlands. Seine Fernsehsendung «Raus aus den Schulden» sehen im Schnitt bis zu fünf Millionen Zuschauer. Weit weg vom Medienrummel sind die Mitarbeiter der Schuldnerberatung des Caritasverbandes Landsberg aktiv. Sie beraten im Jahr bis zu 100 Männer und Frauen. Die Zahl der Personen, die Hilfe suchen, nimmt zu. Und in den meisten Fällen kommen die Betroffenen zu spät - wenn der Gerichtsvollzieher schon vor der Türe steht.

Monika Wöck, die Leiterin der Schuldnerberatung, nennt den Fall einer 40-Jährigen aus dem Landkreis. Die gelernte Friseurin wurde 1999 geschieden. Zurück blieb ein Schuldenberg von 24000 Euro, ein überzogenes Girokonto, ein mit ihrem Mann aufgenommener Kredit für Möbel, Auto und Waschmaschine sowie Schulden beim Tierarzt und beim Scheidungsanwalt. Als sie arbeitslos wurde, blieben nur noch ein paar Hundert Euro übrig. Um dem Druck der Gläubiger zu entgehen, leistete sie weiter ihre Ratenzahlungen, brachte aber das Geld für Miete, Strom und Versicherungen nicht mehr auf. Irgendwann sperrte die Bank das Girokonto.

Täglich kamen nun Mahnschreiben von Anwälten und Inkassobüros, die die Frau ungeöffnet beiseite legte. Vier Jahre nach der Scheidung wurde ihr klar, dass sie Hilfe braucht. Ein Freund hatte ihr geraten, sich an die Schuldnerberatung der Caritas zu wenden.

Die Hilfe bestand zunächst darin, die Existenz der Frau zu sichern, weil die fristlose Kündigung der Wohnung drohte und der Strom bereits gesperrt war. Allmählich lernte die 40-Jährige mit dem ihr zur Verfügung stehenden Einkommen besser umzugehen. Um die Schulden abzutragen, verkaufte die Frau ihr Auto und kündigte ihre Lebensversicherung. Danach wurde ein Plan erstellt, wie die Schulden bereinigt werden können. Die Gläubiger erklärten sich damit einverstanden. Heute lebt die 40-Jährige schuldenfrei und hat einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

Schuldner- und Insolvenzberatung werden als getrennte Dienste geführt, sie arbeiten aber eng zusammen. Während die Insolvenzberatung von der Regierung von Oberbayern mitgetragen wird, hat die Schuldnerberatung einen Vertrag mit dem Landkreis. Der endet in diesem Jahr. Der Vertrag wurde seitens des Landkreises gekündigt. Wie Landrat Walter Eichner sagt, ist der Landkreis verpflichtet, eine Schuldnerberatung anzubieten. Bislang habe die Caritas dies übernommen. Doch der Landrat plant im Sozialwesen eine ganzheitliche Lösung. Und so könnte die Schuldnerberatung in Zukunft unter dem Dach des Landratsamtes erfolgen. Alois Handwerker, Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Landkreis Landsberg, sieht darin eine Kollision der Interessen. Er glaubt, dass sich Betroffene eher an die Beratungsstelle der Caritas wenden, als an das Landratsamt.

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