Viel Skepsis begleitet Schlussverkaufs-Finale

Marktoberdorf/Ostallgäu(wu). - Vermutlich zum letzten Mal ist in diesen Tagen der Winterschlussverkauf (WSV), wie man ihn gewohnt ist, in den Geschäften zugange. Den Plänen der Bundesregierung zufolge soll im Frühjahr ein neues Wettbewerbsrecht in Kraft treten. Größte Änderung ist dabei die Freigabe von Rabatten und Sonderverkäufen. Einzelhändler im Ostallgäu reduzierten zwar ihre Ware, aber einen übermäßigen Ansturm auf die Schnäppchen hat keiner von ihnen erlebt. Die erste Woche des WSV ist vorbei und die Mode- und Sportartikel-Geschäfte in Marktoberdorf und Umgebung ziehen eine verhalten positive Bilanz. 'Das war o. k., auch das Wetter hat gepasst', meint Carolin Zeiler, Inhaberin eines Modegeschäftes in Marktoberdorf. Sie ist zufrieden, auch wenn es nicht mehr so war wie früher, als die Leute Schlange standen. 'Es ist nicht mehr viel Winterware da', sagt Zeiler beim Blick in ihr Lager. Auch bei Sport Lipp in Marktoberdorf sind die Lager laut Anita Lipp geräumt. Vor allem die winterliche Witterung der vergangenen Tage habe die Nachfrage angetrieben. Vom Wetter abhängig ist auch das Ronsberger Schuh- und Sportgeschäft Schindele. 'Für uns ist wichtig, dass der Schnee passt', meint Wilhelm Schindele. Verkauft habe er in der ersten WSV-Woche vor allem Textilien.

Wenig Nachfrage nach klassischen Schlussverkauf-Artikeln wie Wintermänteln oder dicken Pullis hat dagegen Martin Rauh vom gleichnamigen Marktoberdorfer Herrenmoden-Geschäft registriert. 'Die Leute kaufen nur, wenn sie etwas dringend brauchen', hat er beobachtet. In der zweiten WSV-Woche locken die Händler nun mit weiteren Preisnachlässen. Zwischen zehn und 70 Prozent bewegen sich die Rabatte. 'Prozente gibt es bei uns nur auf Artikel, die sich nicht gut verkauft haben', sagt Schindele. Viel Spielraum gebe es ansonsten nicht. Schließlich habe die Preis-Reduzierung in vielen Geschäften bereits nach Weihnachten begonnen, betont Lipp. Künftig sind Rabatten und Sonderverkäufen keine Grenzen mehr gesetzt. Theoretisch wäre ein zwölfmonatiger Schlussverkauf möglich. 'Für den Kunden ist das schlecht', sagt Anita Lipp über das neue Wettbewerbsrecht. 'In Zukunft kann doch jeder machen, was er will', ärgert sich Rauh. Schon jetzt sei das Reduzieren beinahe zum Volkssport geworden, moniert Schindele. Der Kunde wisse oft gar nicht mehr, was der normale Preis der Ware sei. Laut Carolin Zeiler gibt es für die Einzelhändler auch eine Schmerzgrenze, was Rabatte betreffe: 'Wir haben auch unsere Unkosten.' 'Da wird viel Schindluder getrieben', weiß Rauh über die neue Freiheit bei Rabatten und Sonderverkäufen. Etwa mit künstlich hohen Preisen, so genannten Mondpreisen, auf die die Händler dann großzügig Rabatte geben. Er glaubt jedoch an eine Normalisierung: 'Der Kunde lässt sich auf lange Sicht hin nicht täuschen.'

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