Viel Ansprechendes und wenig Aufregendes

Von Ingrid Grohe | Lindenberg Die 41. Westallgäuer Kunstausstellung macht es ihren Besuchern leichter als ihre Vorgängerinnen. Die rund 80 Bilder sind im Lindenberger 'Löwen'-Saal luftiger gehängt, sodass sich das einzelne Werk in der Fülle besser wahrnehmen lässt. In der Qualität der Bilder ist die Westallgäuer Schau wie gewohnt heterogen. Es finden sich zwischen vorwiegend soliden, aber wenig überraschenden Exponaten durchaus Stücke mit hintergründiger Originalität und starkem Ausdruck.

Ergreifende Intimität

'Figuren' heißt eine Ölmalerei auf Leinwand von Hannes Widmann. Der Bregenzer ist einer der Vorarlberger, die sich gerne jenseits der Grenze präsentieren. Andeutungen von Körpern, von Stoff, skizziert in einigen Linien und Schattierungen fügen sich zu einer Situation mit ergreifender Intimität.

Bedeutend verschwenderischer geht sein Malerkollege Klaus Reisacher aus Sigmarszell mit der Ölfarbe um. In dicken Schichten trägt er die Farbe auf, von der Nähe betrachtet wirken seine Bilder fast dreidimensional. Dennoch wirken sie nicht wuchtig. Aus der Distanz betrachtet fügt sich bei 'Ariost' die fast wie Spachtelmasse verwendete Farbe wieder flächig zu einem ansprechenden Bild zusammen.

Was Ausstellungsleiter Helmut Caprano auch in seiner diesjährigen Eröffnungsrede wieder einmal als Polaritäten beschrieb - nämlich die gegenständliche und die abstrakte Kunst - gesellt sich in der Westallgäuer Kunstausstellung selbstverständlich zueinander. Neben den überwiegend konkreten Darstellungen finden sich nicht weniger überzeugende abstrakte: Lisa Niedermeyer aus Heimenkirch ist mit 'ungeschriebener Brief' ein berührendes Bild gelungen - durch stimmige Farbkomposition und durchdachte Formanordnung.

Spannungsreich sind auch die Bilder von Monika Lauker aus Wangen. Aus Sanden, Pigmenten, Acryl und Kreide hat sie auf großen Flächen den Titel 'Strömung' mit viel Bewegung und Kraft umgesetzt.

Unter den 28 ausgestellten Skulpturen fallen die von Werner Nather aus Immenstadt auf, der sich meist der Kombination von Stahl mit Stein oder Holz bedient. Günther Schrade aus Maierhöfen fügt wieder einmal ein gebrechliches Weidengeflecht mit massivem Sandstein zusammen. Sein Werk 'In meiner Welt' vereint Ästhetik mit Aussage.

Für die Sonderschau zum Thema Hut nutzten die Ausstellenden ihre vertrauten Methoden: Grafisch wirkt der Beitrag von Helmut Caprano, karikaturenhaft der von Lisa Kölbl-Thiede aus Lindau, und Siglinde Knestel aus Grünenbach gestaltet aus einem umgedrehten Blecheimer mit allerhand Eisen-Applikationen eine Hutkreation.

Den Besucher der Schau im 'Löwen'-Saal erwartet also wieder viel Ansprechendes, einiges Anregende und nichts Aufregendes.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag 10 bis 18 Uhr. Die Schau ist bis zum 11. November zu sehen.

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