Baisweil
Verspielte Milchlieferanten

«Blöde Ziege» - das ist ein beliebtes, aber nichtsdestotrotz unfreundliches Schimpfwort für so manchen (weiblichen) Mitmenschen. Von störrischen Ziegen könnte Markus Baur ein Lied singen. Der Landwirt aus Baisweil hält nämlich 300 Stück der Horntiere und verkauft deren Milch. «Sie ärgern mich manchmal wirklich, weil sie zum Beispiel alle Türen aufbekommen», berichtet er. Andererseits seien die Tiere sehr liebenswert - und wirtschaftlich sei ihre Haltung auch noch.

Die Domestizierung der Wildziege hat eine lange Tradition: Vermutlich schon vor rund 11000 Jahren wurden Ziegen als Haustiere gehalten, um Fleisch, Leder, Milch oder manchmal auch Wolle zu liefern. In Baisweil hat Baur den nach eigenen Angaben größten Milchziegenhof in der Region. Seine 300 Ziegen haben weiße und bunte deutsche Edelziegen, englische Anglonubier sowie Schweizer Toggenburger als Vorfahren. Die Zuchtböcke sind Saanen, ebenfalls aus dem Eidgenössischen. Baur bevorzugt nämlich Kreuzungsrassen: «Die sind robuster und gesünder.» Durchschnittlich fallen bei Ziegen nämlich fünf Euro pro Jahr an Tierarztkosten an, bei Baur ist es nur ein Euro. Dafür geben seine Tiere zwar nicht bis zu 1100 Liter Milch pro Jahr, sondern nur rund 600. Aber je mehr Milch die Tiere geben, desto kurzlebiger sind sie - und die Nachzucht kostet umso mehr.

«Meine Tiere sind langlebiger und kommen ohne Kraftfutter aus. Denn ich versuche, mit möglichst wenig Mitteln viel zu erreichen», erklärt Baur.

Der 43-jährige studierte Forstwirt aus Memmingen fing 1988 mit der Landwirtschaft an. Zunächst Kühe und Schweine, 1993 legte er sich eine Handvoll Ziegen zu - aber alles nur als Hobby. Durch Zufall kam er kurz darauf zu 20 weiteren Tieren und lieferte bald erste Milch. 1998 hatte er schon 100 Ziegen, doch erst seit 2003 ist er Vollerwerbslandwirt. Im alten kleineren Stall hat er die Jungtiere, ältere oder kranke Tiere, die Böcke und ein paar der ganz störrischen Exemplare untergebracht. Außerdem steht eine zweiseitige Absaugmelkanlage für 28 Ziegen in dem Stall.

Mit etwas Hafer geködert, durchlaufen die Ziegen die Melkprozedur fix, erläutert der Ziegenwirt: «Die Tiere lernen schnell», lobt Baur die Anpassungsfähigkeit seiner Vierbeiner.

In einem großen Stall mit Auslauf und Weiden hält er rund 200 Ziegen, die bis zu 150000 Liter Milch pro Jahr geben. Die verkauft der Biowirt, der seine Tiere nur mit Gras, Heu und Hafer aus eigenem Anbau füttert, an die Molkerei Scheitz in Andechs. Die hat sich auf die 40 großen Ziegenwirte im süddeutschen Raum spezialisiert und stellt Käse, H-Milch oder Joghurt aus Ziegenmilch her. Die Arbeit mit den Ziegen sei zwar doppelt so zeitaufwendig wie bei Kuhbauern, aber mache auch viel Spaß. «Ziegen sind neugierig und verspielt. Sie sind sehr personenbezogen, auch deshalb kenne ich sie alle beim Namen», so Baur.

Wenn er mit den jungen Tieren spielt, turnen sie auf ihm herum. Einige Ziegen versuchen das auch noch, wenn sie älter sind. «Da passt aber nur noch eine auf meinen Rücken», gibt er zu.

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