Verletzte nach brutalem Angriff

Kaufbeuren (bbm). - Es begann mit der Frage nach Zigaretten und endete in massiven Tätlichkeiten, durch die mehrere junge Leute zum Teil erheblich verletzt wurden. Vor dem Kaufbeurer Jugendschöffengericht stand jetzt zwar fest, dass die Opfer im Alter von 18 bis 23 Jahren im November vergangenen Jahres von einer Gruppe junger Russlanddeutscher angegriffen worden waren. Zur Identität der Angreifer gab es jedoch Zweifel. Deshalb wurden zwei Angeklagte (17 und 18) vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten(18) wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Der junge Mann war von Zeugen schwer belastet worden. Er beharrte auf seiner Unschuld und will seine Eltern als Alibi-Zeugen aufbieten. Auch die beiden freigesprochenen Mitangeklagten hatten im Verfahren erklärt, dass sie seinerzeit gar nicht am Ort des Überfalls waren, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Kaufbeurer Übersiedlerheims liegt. Die Identifizierung der beiden jungen Männer durch die Zeugen war letztlich nicht so eindeutig, dass eine Verurteilung erfolgen konnte. Wie der Richter im Urteil ausdrücklich hervorhob, war die Entscheidung 'kein Freispruch erster Klasse,' sondern erfolgte aus Mangel an Beweisen. Was den Opfern seinerzeit passiert sei, sei 'eine absolut bodenlose Sauerei,' so der Richter weiter.

In der Anklageschrift waren drei Fälle aufgeführt, in denen die Opfer durch Schläge ins Gesicht, Prellungen, Platzwunden und Gehirnerschütterungen erlitten hatten. Im Verlauf des umfangreichen Verfahrens stellte sich heraus, dass es seinerzeit noch mindestens zwei weitere Verletzte gegeben hatte. Die jungen Leute hatten vor Gericht geschildert, wie sie seinerzeit in ihrem Musik-Probenraum einen Geburtstag gefeiert hatten. Als zwei von ihnen nach draußen gingen, um dort eine Meinungsverschiedenheit zu diskutieren, seien plötzlich zwei junge Russlanddeutsche aufgetaucht. Diese hätten nach Zigaretten gefragt und auch eine erhalten. Als fast zeitgleich die übrigen Partygäste und sechs weitere Aussiedler dazu kamen, wurde nach einer zweiten Zigarette gefragt. Es gab einen kurzen Wortwechsel und ansatzlos die erste Attacke. Es folgten massive Tätlichkeiten, bei denen zum Teil noch auf die Opfer eingetreten wurde, als diese schon regungslos am Boden lagen. Ein junger Mann erinnerte sich daran, dass ihm einer der Angreifer vor einem Schlag ins Gesicht gesagt habe: 'Ich hau' Dir jetzt eine rein, wie Du noch nie eine reingekriegt hast.' Nach den Freisprüchen für zwei der drei Angeklagten räumte der Richter in der Urteilsbegründung ein, dass dieses Ergebnis für die Opfer 'natürlich zum Teil unbefriedigend ist.' Anderseits müsse für eine Verurteilung die Schuld des einzelnen Angeklagten zweifelsfrei feststehen. Die Vorgehensweise der Täter, insbesondere mit der Frage nach Zigaretten, erinnerte den Vorsitzenden zwar stark an zwei Raubüberfälle aus dem Vorjahr, für die die beiden Angeklagten Jugend-Bewährungsstrafen erhalten hatten. Die Wiedererkennung durch die Zeugen sei jetzt jedoch nicht so eindeutig gewesen, dass sich darauf eine Verurteilung stützen ließe.

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