Pinswang
Vadim lässt Villa vibrieren

Wieder einmal hat es das Ehepaar Holzammer geschafft, einen Pianisten mit Weltniveau in die Villa in Pinswang zu holen. Der Künstler zog das anspruchsvolle Publikum restlos in seinen Bann. Solche Konzerte bestätigen, dass die Villa ein echter Geheimtipp für die Liebhaber der klassischen Klavierkunst ist.

Der 1978 in Litauen geborene und seit Langem in Frankfurt lebende Pianist Vadim Chaimovich hat schon in so renommierten Konzerthäusern wie der Carnegie-Hall oder der Semperoper in Dresden konzertiert. Nun zeigte er in Pinswang sein fantastisches Können einem kleinen Kreise. Sein Spiel am Steinway-Flügel steigerte sich vom sensiblen lyrischen Vortrag bis zum furiosen Feuerwerk.

Mit großer Natürlichkeit, äußerster Präzision und der ihm eigenen pointierten Interpretation spielte Chaimovich die Französische Suite von Bach Nr. 2 in c-Moll. Mühelos wechselte er zu Schuberts Impromptu Op. 142 Nr. 3 in B-Dur, das er schnörkellos und voller Leichtigkeit darbot. Bei Beethoven riss er das Publikum beinahe von den Stühlen und zog es ausnahmslos in seinen Bann. Keiner konnte sich der faszinierenden Darbietung entziehen.

Nach der Pause gab der Litauer die beliebten Kinderszenen von Robert Schumann zum Besten. Die Tiefe und Ernsthaftigkeit, die diesen Stücken innewohnt, eröffnete Vadim Chaimovich fantastische Möglichkeiten für sein Spiel. Genuss pur. Die abschließende Interpretation von Johann Sebastian Bachs Chaconne in d-Moll in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni zeigte einen großen Künstler. Dem modernen Pianisten scheint diese Bearbeitung offensichtlich zu entsprechen. Trifft es doch den Nerv einer jüngeren Generation.

Ein bisschen wie Glenn Gould

Wie Vadim Chaimovich in niederer Position auf dem extra für ihn bereitgestellten Hocker am Flügel saß, erinnerte ein wenig an Glenn Gould. Er setzte die Finger wie zufällig und spielte vollkommen unaffektiert. Die Villa vibrierte trotz der draußen herrschenden Minusgrade.

Seine letzte Zugabe war das Adagio aus der Sonate in G-Dur von Haydn aus seiner neuen CD. Diese grandiose Darbietung beendete einen wundervollen Abend. Auch Vadim selbst schien die Atmosphäre in der Villa zu gefallen. Auf die Frage, wie es sich auf dem Steinway spielen lässt, antwortete er mit einem verschmitzten Lächeln: «Der Steinway kann alles.»

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