Unsere Schwestern haben das verdient

Von Eva Büchele | Buchloe Leise säuselt der Wind durch das Herbstlaub, die Sonnenstrahlen brechen durch die gelblichen Blätter der Bäume. Drei Holzkreuze nahe des Eingangs werfen Schatten auf die Gräber - ein friedlicher Ort, der Buchloer Schwesternfriedhof.

'Ich komme gerne hierher', sagt Schwester Walbirg. Seit etwa 13 Jahren pflegt sie die letzte Ruhestätte der Ordensfrauen hinter der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. 'Ich mag die Ruhe und die frische Luft.' Und auch die Grabpflege mache ihr Spaß, berichtet sie, während sie mit einem Schwämmchen eine Steintafel schrubbt. 1956 ist dort als Todesjahr notiert. 'Die Platte stammt noch aus der Zeit, als der Schwesternfriedhof direkt neben der Kirche lag', weiß Walbirg. Um 1965 stellte die Stadt Buchloe dem Orden dann ein neues Areal zur Verfügung: Die Ruhestätte wurde hinter die Kirche verlegt - dorthin, wo sich bis etwa 1920 der normale Friedhof befand. Für den sei der Platz zu klein geworden, weshalb er weiter nach hinten verlegt wurde.

Auf dem Friedhof liegen ausschließlich Ordensschwestern. 'Wo die Schwestern sterben, dort werden sie auch beerdigt', erklärt die Franziskanerin Schwester Walbirg. Weil das Buchloer Krankenhaus St. Josef bekanntlich früher dem Dillinger Orden gehörte, leben und arbeiten dort heute noch 24 Schwestern. 'Als ich 1963 nach Buchloe kam, waren es noch 54. Aber es kommen immer weniger nach', erzählt Walbirg.

Klangvolle Namen stehen auf den Grabkreuzen und Steinen, wie Theophora oder Pelagia. 'Wer in den Orden eintrat, bekam früher den Namen einer Heiligen', erklärt Schwester Walbirg. Mittlerweile könnten sich die Ordensfrauen auch für ihren Taufnamen entscheiden.

Eine Steinplatte an der Friedhofsmauer zieht die Blicke auf sich. 'Preise dir o Herr. Du erweckst zu neuem Leben' steht dort eingemeißelt. Und darunter: Geschwister Lang: Viktoria, Florian, Benedikt und Martha. 'Die Geschwister Lang haben einst das Marthahaus gestiftet, ein Altenheim für Schwestern hier in Buchloe', sagt Walbirg. Zum Dank habe der Orden versprochen, das Grab der Geschwister zu pflegen. 'Und das tun wir heute noch.' 'Einige der Menschen, die hier begraben liegen, fehlen mir schon sehr - natürlich vor allem jene, die ich gut gekannt habe. Dann spreche ich hier mit ihnen', sagt die 65-Jährige. Manchmal bete sie auch während der Arbeit. Und danach freut sie sich an den gepflegten Gräbern, denn: 'Unsere Schwestern haben das verdient. Sie haben alle viel geleistet.'

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