Kaufbeuren
Ungezwungen und lebendig

Zum Gottesdienst an Heiligabend ins Bezirkskrankenhaus? Das klingt zumindest im ersten Moment etwas abwegig. Doch wenn Pfarrer Thomas Blab heute Nachmittag wieder am Altar seiner Thomaskirche steht, wird das Gotteshaus auf dem Gelände der psychiatrischen Klinik wahrscheinlich wieder rappelvoll werden. «Im vergangenen Jahr haben manche Besucher extra Plätze für ihre Verwandten frei gehalten, damit die nicht stehen müssen», erzählt Thomas Blab und lacht. An Weihnachten sei seine Kirche immer voll.

Vor 14 Jahren kam der katholische Priester an die Klinik in Kaufbeuren. «Damals gab es schon die Tradition des Weihnachtsgottesdienstes», erklärt Blab. Jene hält er seitdem auch aufrecht - allerdings auf seine Art: Er liest nicht nur eine Weihnachtsgeschichte vor, die er jedes Jahr neu schreibt und die «jedes Jahr verschieden ist», wie er beteuert.

Er spielt auch immer ein kleines Theaterstück - es ist ebenfalls selbst geschrieben. «Dabei wollen wir zeigen, wie man die Botschaft der Kirche im Alltag leben kann», so Blab. Die will der Seelsorger allerdings nicht in strengem Tonfall präsentieren. Sondern mit Freundlichkeit und Humor. «Man muss sich doch freuen, wenn die Leute in die Kirche kommen», begründet der Pfarrer seine Einstellung. Da sei es nicht angebracht, den Moralapostel zu spielen.

Blab, der in erster Linie als Seelsorger im BKH arbeitet, setzt ganz bewusst auf einen lebensnahen Gottesdienst. «Mir geht es um eine lebendige Feier», stellt er klar. Als Student habe er einmal eine Messe besucht, die ihn überhaupt nicht angesprochen habe. «Da wurde überhaupt keine Beziehung zu den Menschen hergestellt», erzählt Blab. «Das will ich anders machen», habe er sich damals vorgenommen - und versucht dies nun seit Jahren auf seine Weise umzusetzen.

Außerdem betont er, dass der Weihnachtsgottesdienst ökumenisch gefeiert wird. Deshalb wird auch ein evangelischer Pfarrer heute Nachmittag die Predigt halten. «Im Krankenhaus ist die Konfession zweitrangig», beteuert Blab. Für viele der Patienten des BKH, die den Gottesdienst besuchen, sei ihre Krankheit ein ziemlicher Schlag.

Deshalb zähle das Gemeinsame, und nicht das Trennende.

«Bei mir muss auch niemand in eine Pfarrei eintreten, um dazuzugehören», erklärt Blab. Dass gerade diese ungezwungene Art von Messe nicht nur Krankenpflegekräfte oder Ärzte aus der Klinik, sondern auch die vielen Menschen von außerhalb anzieht, glaubt Thomas Blab schon. Er hat aber auch eine ganz simple Erklärung, warum die Thomaskirche an Heiligabend proppenvoll ist: «Die Kirche ist warm, und genügend Parkplätze gibt es auch.»

Beginn des Gottesdienstes ist heute um 16 Uhr in der Thomaskirche auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren.

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