Sonthofen
Unfrisierte Gedanken als literarisches Bonbon

Die Schauspielerin Eva Schroer stand einst mit Rolf Boysen, Heinz Bennent, Charles Regnier, Hilde Hildebrand oder Hansjörg Felmy auf der Bühne. Auch Funk und Fernsehen interessierten sich für ihre ausdrucksstarke Art. Seit 1996 lebt sie in Rettenberg.

Eva Schroer schreibt, malt und fesselt ihre Zuhörer bei Rezitationsabenden ebenso wie in «Ein-Frau-Theaterstücken». Längst ist sie aus der Kulturszene des Oberallgäus nicht mehr wegzudenken. Nun hat Eva Schroer sich eines nur wenig bekannten polnischen Dichters angenommen: Stanislaw Jerzy Lec. Vor ihrer Lesung in der Sonthofer Kultur-Werkstatt unterhielt sie sich mit Stefan Nowicki über den Lyriker und Satiriker.

Frau Schroer, obwohl einige Aphorismen des Dichters Stanislaw Jerzy Lec während der siebziger Jahre in der «Zeit» veröffentlicht wurden, ist der Autor in Deutschland doch relativ unbekannt geblieben. Wie haben Sie ihn entdeckt?

Eva Schroer: Eigentlich durch einen Zufall. Ich stieß im Internet auf einige Zeilen von ihm. Dann habe ich bei einer Stuttgarter Buchhandlung, die ich schon lange kenne, nachgefragt. Die sagten mir, das sei ein besonderer Fund. Den Titel «Die unfrisierten Gedanken» fand ich dann noch toller.

Und wann entstand die Idee, daraus ein Abendprogramm zu machen?

Eva Schroer: Wenn mich etwas begeistert, fühle ich mich gezwungen, das auch unter die Leute zu bringen.

Stanislaw Jerzy Lec hat Satire, Aphorismen und Epigramme geschrieben. Die fand ich so köstlich und wichtig, dass ich mir eine Lesung vornahm.

Was möchten Sie mit der Lesung erreichen?

Eva Schroer: Jerzy Lec befasst sich mit der Dummheit, der Feigheit, der Heuchelei, der Geschwätzigkeit, der Ignoranz und der Bequemlichkeit. Die nimmt er scharf, stechend, witzig aufs Korn. Wenn es wenig zu Lachen gibt, dann sind die Satiriker gefragt.

Aber Sie lesen nicht einfach vor, oder?

Eva Schroer: Ich trage vor und meine Begleitung versucht, das musikalisch zu unterstreichen.

Begleitet werden Sie von dem Oberstdorfer Bernhard Oss auf dem Akkordeon. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit solch einem jungen Talent?

Eva Schroer: Ich habe Bernhard Oss in Burgberg bereits bei einer Lesung dabei gehabt. Da fand ich ihn so hervorragend, dass ich ihn gerne wieder gebeten habe.

Spielt Bernhard Oss ausschließlich zwischen den gelesenen Stücken oder gestaltet er Ihren Vortrag selbst mit?

Eva Schroer: Ja, darum habe ich ihn gebeten. Es sind auch Kurzgeschichten dabei. Mit solch kurzen Sachen kann man sehr gut Spannung erhalten. Für mich ist Stanislaw Jerzy Lec ein absolutes literarisches Bonbon.

Termin: Eva Schroer befasst sich spielerisch mit den «unfrisierten Gedanken» von Stanislaw Jerzy Lec am Donnerstag, 4. Februar, um 20 Uhr in der Sonthofer Kultur-Werkstatt. Karten: Telefon 08321/2492.

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