Oy-Mittelberg
Und ewig lockt die grüne Hölle

Es soll ja Kletterer geben, die sich über lange Zustiege zu den Wänden im Allgäu beschweren. Was würden die erst sagen zur Expedition, über die Kurt Albert und Holger Heuber berichteten? Mehr als 200 Kilometer wurde da erstmal durch den Dschungel Venezuelas gepaddelt, bevor man das Ziel, die 700 Meter hohe Felswand, überhaupt zu Gesicht bekam.

Der 28. Dezember hat schon Tradition in Oy-Mittelberg. An diesem Tag holt die dortige DAV-Sektion jedes Jahr bekannte Bergsportler mit einem spektakulären Thema in den Kursaal. Heuer waren es die beiden Franken (die nie mit einem vollen Saal gerechnet hatten) und ihr Trip an einen von rund 150 gewaltigen Tafelbergen, die in Venezuela herumstehen.

Zusammen mit Stefan Glowacz und dem Einheimischen Ivan Calderon kämpften sie sich erst mal knapp zwei Wochen mit überladenen Kanus einen Urwaldfluss hinab. Begleitet wurden sie dabei von zwei Indianern im Einbaum, die regelmäßig was zu lachen bekamen, wenn wieder ein Kanu kenterte.

Vom Dorf der Ureinwohner (die Zustimmung zur Besteigung wurde dem Dorfältesten mühsam abgehandelt und bezahlt) war es dann noch ein Tagesmarsch durch den Dschungel bis zur Felswand.

Plastisch schildern die Referenten ihre Tour: Im unteren Teil ist der Fels brüchig, doch nach oben hin wird er immer besser. Auf 700 Meter Höhe hängt die Wand 70 Meter über. Der tägliche Regen rauscht wie ein Vorhang weit draußen an den Kletterern vorbei, während sie in der Wand auf schmalen Simsen oder in der Hängematte nächtigen. Als erste Menschen stehen sie schließlich auf dem Gipfelplateau auf 2200 Meter Höhe, genießen den Blick über den Regenwald unter ihren Füßen und studieren die ganz eigene Welt an Pflanzen und Tieren, die sich auf dieser zerklüfteten Hochfläche entwickelt hat.

Trotz bösartiger Würmer, Insekten, Giftschlangen und anderer Tierchen, die einem im Dschungel das Leben schwermachen: Das Franken-Duo zieht es immer wieder nach Venezuela, und inzwischen haben sie schon einige dieser Tafelberge bestiegen, die von den Einheimischen «Tepui» genannt werden, Haus der Götter. Egal ob mit dem Segelboot in die Antarktis und anschließender Erstbesteigung oder mit dem Kajak zu Riesenwänden im Norden Kanadas oder durch die «Grüne Hölle» in Venezuela: Kurt Albert und Holger Heuber lieben offenbar menschenferne Plätze, an denen sie garantiert ihre Ruhe haben. Doch auch im vollen Kursaal in Oy haben sich die Extremsportler offensichtlich wohlgefühlt.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019