Über Umwege zum Melkstand

Von Bernd Skischally, Lauben/Memmingen Familie Kächele sitzt erwartungsvoll im Wohnzimmer, als das Telefon klingelt. 'Grüß Gott, Josef Miller am Apparat.' 'Nein, der Herr Bischof ist noch nicht da', antwortet Walter Kächele (60) dem Landwirtschaftsminister. Die Kächeles nehmen es gelassen, dass ihre Gäste ein wenig Verspätung haben. Der Minister komme schließlich direkt aus München und sei vormittags noch im Bundesrat in Berlin tätig gewesen, erklärt Kächele. Als zehn Minuten später Minister Miller und der evangelische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich samt Chauffeure und Begleitpersonal eingetroffen sind, beginnt Jungbauer Johannes Kächele umgehend mit der Führung - eine Stunde wird sie dauern. Der 26-jährige Landwirtschaftsmeister übernimmt in absehbarer Zeit den Hof seiner Eltern und hat bereits für einige Neuerungen gesorgt. Die 125000 Euro teure Biogas-Anlage ist eine.

'Wir decken damit unseren gesamten Strombedarf ab und können zum Teil auch noch was ins Netz einspeisen', betont Kächele, als er den Gästen die Funktionsweise der Anlage erläutert. Vor allem der Bischof lauscht aufmerksam den Worten des Mannes. 'Im Gegensatz zu Photovoltaik ist die Stromgewinnung durch Biogas unabhängiger und kontinuierlicher. Man braucht eben kein gutes Wetter, sondern nur genügend Gülle', ergänzt Minister Miller die Ausführungen von Johannes Kächele. Dieser führt die Gäste anschließend zur vollautomatischen und computergesteuerten Melkanlage, mit deren Hilfe täglich rund 60 Kühe gemolken werden. Um den 'Gschmack' - wie Bäuerin Elisabeth Kächele den Stallgeruch liebevoll nennt - an den Klamotten gering zu halten, geht es für Bischof und Minister über einen kleinen Umweg zum Melkstand. Auch hier erklärt Johannes Kächele in knappen aber informativen Sätzen, wie die Maschinen funktionieren. Als sich Bischof Friedrich wenig später von den Kächeles verabschiedet, fasst er in Worte, was man auf Grund seines großen Interesses bereits erahnen konnte: 'Der Besuch war für mich ungeheuer spannend und interessant; ich habe wirklich großen Respekt vor ihrer Arbeit.' Als der hohe Besuch weg ist, tauscht Johannes Kächele seine Jeans und seinen Pullover gegen einen grünen Arbeits-Anzug und geht zum Melken. Er wirkt zufrieden. Elisabeth Kächele freut sich besonders über die lockere und ungezwungene Atmosphäre bei dem Besuch: 'Dafür, dass sie so hohe Herren sind, sind sie ganz umgänglich.'

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