Typenkabarett und Klamauk

Tourneetheater Greve zeigt Friedrich Dürrenmatts Komödie 'Die Panne' Lindau (bil). Wie kriegt man einen stinknormalen Menschen dazu, einen Mord zu gestehen, den er nicht begangen hat? Das fragt man sich als Besucher des Tourneetheaters Greve noch immer. Es zeigte am Mittwochabend im Stadttheater Lindau Friedrich Dürrenmatts Komödie 'Die Panne' - mit Witz, überzeugenden Darstellern, aber ohne die dramaturgische Finesse, die verdeutlicht, wie ein Unschuldiger sich selbst zum Mörder macht.

Die Geschichte dreht sich um Alfredo Traps (Thomas Höhne), seines Zeichens 'Generalvertreter'. Ein Textilreisender aus einfachen Verhältnissen, der sich vom alten Renault zum rot lackierten Jaguar empor gearbeitet hat. Eine Autopanne führt ihn in das Haus des pensionierten Richters Abraham Gotthold Luis Wucht (Manfred Greve). Der macht sich einen Spaß daraus, mit dem ehemaligen Rechtsanwalt Jakob August Johann Kummer (Rainer Delventhal), Ex-Staatsanwalt Isaak Joachim Friedrich Zorn (Reinhard von Hacht) und dem pensionierten Henker Roland Renè Raimond Pilet (Hans-Jürgen Gündling) Gericht zu 'spielen'. Der Inhalt: Traps soll einen Mord begangen haben. Der biedere Emporkömmling lässt sich auf das Spiel ein. An dessen Ende behauptet er, den Mord des Jahrhunderts begangen zu haben - und jagt sich selbst eine Kugel durch den Kopf. So absurd die ganze Geschichte ist, so überzeichnet inszeniert Manfred Greve die Charaktere -Êallem voran sich selbst als glupschäugigen Richter Wucht. Da muss der leidgeprüfte Rechtsanwalt humpeln, wird der Henker in einen korrekt-altmodischen Gehrock gesteckt, und machen die Herren den Hampelmann, um zu zeigen, wie fit sie noch sind. Die Typen, die sie darstellen, nimmt man den Schauspielern sofort ab - durch die Bank. Auch der irrsinnige Spaß der Herren an ihrem morbiden Spiel kommt überzeugend rüber. Zwischen Typenkabarett und Klamauk bleibt aber auf der Strecke, warum und wie sich das Spiel wendet. Wie aus 'ich bin unschuldig' 'ich habe den Mord des Jahrhunderts begangen' (Zitat Traps) wird. Zusammen mit einem sehr traditionellen Bühnenbild aus Wand, Tisch und Stühlen bleibt eine Inszenierung in Erinnerung, die von ihren komischen Elementen und glänzenden Schauspielern lebt - die die Frage von Schuld und Unschuld aber im Wesentlichen unbeantwortet lässt.

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