Trutzburg dient ganz zivilem Zweck

Kempten (pa). - Auf ahnungslose Spaziergänger wirkt es wie eine trutzige Befestigungsanlage, was da auf dem Lenzfrieder Höhenrücken entstanden ist. Tatsächlich jedoch handelt es sich bei dem voluminösen Bauwerk um eine ganz und gar zivile Einrichtung: Einen neuen Trinkwasser-Hochbehälter nämlich. Der soll Mitte nächsten Jahres in Betrieb gehen, und bis dahin werden auch die abweisenden großen Betonflächen, die jetzt zu sehen sind, unter viel Grün verschwunden sein. Direkt neben der Baustelle auf dem Höhenrücken gibt es bereits ein Trinkwasser-Reservoir, das noch aus Kaisers Zeiten stammt und auch weiter betrieben werden soll. Doch reicht es mit seinem Fassungsvermögen von 400 Kubikmetern bei weitem nicht mehr aus, um die Kemptener zuverlässig mit Trinkwasser zu versorgen und jederzeit den nötigen Druck auf den Leitungen zu garantieren. Früher kam das Kemptener Trinkwasser, rund 4,6 Millionen Kubikmeter im Jahr, je zur Hälfte aus eigenen Quellen und als Fernwasser aus dem Oberallgäu. Von urspünglich vier eigenen Gewinnungsanlagen sind aber nur noch zwei - Leubas und Fleschützen - übrig geblieben. Die beiden anderen in Burgratz und Betzigau dagegen sind inzwischen stillgelegt worden. Nicht wegen mangelhafter Wasserqualität, sondern weil die verschärften Bestimmungen für die jeweiligen Schutzzonen nicht umgesetzt werden konnten. Inzwischen macht der Anteil des Fernwassers 75 Prozent des gesamten Verbrauchs in Kempten aus. Es kommt über zwei Leitungen aus dem Oberallgäu, und wenn einmal eine ausfallen sollte, muss die ganze Stadt über die andere Leitung versorgt werden. Wozu, so Andreas Gnoth vom Kemptener Kommunalunternehmen (KKU), ausreichend Speicherraum erforderlich ist. Einen Hochbehälter, der 8000 Kubikmeter fasst, gibt es bereits in Steinberg im Westen der Stadt. Der zweite, dessen beide Kammern zusammen 5000 Kubikmeter fassen, entsteht gerade in Lenzfried. Einschließlich der Technik kostet die Anlage 2,6 Millionen Euro. Begonnen wurde damit im Mai vorigen Jahres, in Betrieb gehen soll der neue Hochbehälter Ende Juni/Anfang Juli 2005.

Auf die Höhenlage kommt es an Und warum setzt man so ein kolossales Bauwerk ausgerechnet auf den landschaftlich reizvollen Höhenrücken? Damit genug Druck zur Versorgung des ganzen Stadtgebiets auf der Leitung ist, so Gnoth, müssen die Behälter entsprechend hoch liegen. Insofern habe es im Kemptener Osten keine Alternative zum Lenzfrieder Höhenrücken gegeben. Jetzt liegen beide Behälter exakt gleich auf 764 Meter über Normalnull. Viel sehen, versichert der KKU-Abteilungsleiter, werde man am Ende aber nicht mehr von dem Betonriesen. Der werde seitlich und oben so eingegrünt, dass er fast völlig in der Landschaft verschwindet.

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