Trampolin-Sprünge statt Siegesfeier

Von Markus Erdt | Füssen Andreas Lang war enttäuscht. 'Jetzt sind wir Deutscher Meister und wir feiern nicht richtig', beklagte sich der 28-Jährige am Sonntag Mittag in der Gaststätte der Garmischer Eishalle. 'Wir hatten alle private Termine', rechtfertigte sich mit einem Augenzwinkern Skip Andy Kapp. Der 40-Jährige machte sich nach dem Mittagessen und einem Radler so schnell wie möglich auf den Heimweg zur Familie, um mit seinem Sohn Benjamin (5) das schöne Wetter für ein paar Sprünge auf dem extra aufgebauten Trampolin zu nutzen. 'Die Party wird nachgeholt', versprach Kapp.

Grund zu feiern hatten die Füssener Curler genug, denn mit dem neunten Meistertitel für das Team schafften sie sowohl die Qualifikation für die Weltmeisterschaft vom 6. bis 13. April in Grand Forks (USA) als auch die Europameisterschaft in Örnsköldsvik (Schweden) vom 6. bis 13. Dezember.

'Für mich ist dieser Titel der zweitschönste', resümierte Andy Kapp. Er muss es wissen, denn für den Chefstrategen des Teams war es bereits das elfte Mal, dass er national ganz oben auf dem Treppchen stand. Der wichtigste Titel sei der von 2005 gewesen, als sich das Team Kapp nach zuvor einer Serie von zweiten Plätzen die Vorherrschaft im deutschen Curlingsport vom EC Oberstdorf mit Skip Sebastian Stock zurückeroberte und seitdem verteidigt hat.

Mitleid mit Oberstdorf

Auch in den Stunden des Triumphs zeigte Andy Kapp Mitgefühl für den Vizemeister, den die Füssener mit zwei klaren Erfolgen (9:5, 8:4) besiegt haben. 'Für die Jungs ist das ganz bitter, denn sie wollten unbedingt zu den internationalen Meisterschaften', so Andy Kapp. Dort wird Deutschland jetzt erneut vom CC Füssen vertreten, der dabei weitere Punkte sammeln will, um die Qualifikation für Olympia in Vancouver/Kanada im Jahr 2010 zu sichern. 'Unser Team ist weiter gewachsen', lobte Kapp seine Mitspieler.

Besonders vor der Leistung seines Bruders Uli hat er großen Respekt. Der hatte aufgrund eines Knorpelschadens im Knie seit der Heim-EM im Dezember nicht trainiert und erst in Prag vor Wochenfrist das Eis wieder betreten. Der 37-Jährige kam in Garmisch nur in den beiden Finalspielen zum Einsatz und machte seine Sache gut. Dafür wechselten sich Holger Höhne (37) und Andreas Kempf (40) auf der Position des Leads ab, die beide im Halbfinale bei den Siegen gegen den SC Riessersee mit Skip Reiner Schöpp (7:6, 7:3) gespielt hatten. Alle vier Partien bestritt neben Kapp auch Andreas Lang.

Ob der CCF komplett bei der WM antreten kann, steht noch nicht fest. Denn unter Umständen muss Uli Kapp operiert werden und würde damit mindestens drei Monate ausfallen. 'Wir hoffen das Beste und haben bis zum Abflug noch sieben Wochen Zeit', sagt Andy Kapp. Auf jeden Fall auch genug Zeit, um im Sinne von Andreas Lang die am Sonntag verschobene Siegesfeier nachzuholen.

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