Tollkühne Fahrer in wackeligen Kisten

Von Veronika Krull | Oberstaufen-Steibis Warum er mitfährt? Für Uli Sörgel aus Oberstdorf ist das keine schwer zu beantwortende Frage. 'Als Ausgleich zum Beruf', antwortet er spontan. 'Da muss ich die Autos nicht richten, sondern kann sie kaputtfahren', grinst Uli. Die Zuhörenden lachen. Der 26-jährige Kfz-Meister Sörgel gehört dem Rallye-Team 'Desierto 1' an. Das ist eine von 54 Mannschaften, die bei der 'Rallye Allgäu-Orient' 2008 auf Tour gehen. In der überfüllten Festhalle des Oberstaufner Ortsteils Steibis fand ein Vorbereitungstreffen der tollkühnen Fahrer mit ihren wackligen Kisten statt.

Denn die Rallye ins Morgenland, die am Freitag, 2. Mai, in Oberstaufen starten und zehn Tage später in Jordaniens Hauptstadt Amman enden soll, ist keine Reise wie jede andere. Das Transportmittel sollte am besten vom Schrottplatz stammen, mindestens 20 Jahre alt oder nach Schwacke-Liste unter 2000 Euro wert sein. Da kann das allgäuerisch-hessische Team 'Desierto' (spanisch für 'Wüste') locker mithalten. Denn Sörgels Mercedes 300 E hat stolze 22 Jahre auf dem blechernen Buckel. Zwei betagte Subarus gehören ebenfalls zum Fahrzeugpark des sechsköpfigen Teams.

Auch die zweite Oberallgäuer Rallye-Mannschaft, die sich selbstbewusst den Namen 'Weltenbummler' gab, kann mit Schrottkarren aufwarten. Team-Chef ist der Kfz-Mechaniker Martin Gamper aus Oberstdorf. Als Methusalem muss der BMW 316 beschrieben werden, der 1982 zusammengeschraubt wurde. Das zweite Fahrzeug VW Passat GL trägt das Baujahr 1985. Dritter im Bunde ist der 1988 montierte Mazda 323. Alle Teams, so eine Bedingung der Rallye, müssen mit je drei Autos antreten. Jede Gruppe hat einen Rollstuhl im Kofferraum dabei zu haben. Denn heuer soll eine Hilfsorganisation für Körperbehinderte in dem Nahost-Land unterstützt werden. So der Beschluss von Organisationschef Wilfried Gehr aus Oberstaufen.

Der 'karitative Hintergrund' hat denn auch Christan Haas (47) aus Darmstadt und seine Tochter Alina Kraft (22) bewogen, bei den 'Desiertos', den Wüstenfüchsen, mitzumachen. Denn die Rallye-Piloten arbeiten daheim für die Caritas. Andere treibt Abenteuerlust: 'Das ist keine Pauschalreise', schwärmt Martin Gamper von den Welten-bummlern'.

Beide Oberallgäuer Teams gehen das erste Mal auf diese Reise ins Morgenland. Erfahrungen zumindest mit einer Teilstrecke hat Neven Severniakov (40), Konstrukteur aus Sonthofen und gebürtiger Bulgare: In seine Heimat fährt er fast jedes Jahr, allerdings auf der Autobahn. Jetzt ist der 'Weltenbummler' gespannt auf die Route über die Landstraße, eine weitere Vorschrift der Orient-Rallye.

Furchlos geben sich die beteiligten Frauen: 'Wir haben vier starke Männer dabei', lacht Silvia Pawlak, 27-jährige Bürokauffrau aus Immenstadt. Ihr Ehemann Thomas ist einer der Wagemutigen. Auch Désirée Haberstock aus Ofterschwang, die ihren Mann und 'Desierto'-Teamchef Hans-Georg Haberstock (51) begleitet, gibt sich zuversichtlich: 'Wir freuen uns drauf!'

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