Technik, Wissen und Bauchgefühl

VON INGO BUCHELT | Pfronten Auch beim dritten Mal hintereinander war das Pfrontener Lawinenseminar bis auf den letzten Platz ausgebucht. Seit 2006 wird es von der Pfrontener Alpenvereinssektion, der Bergführervereinigung Altissimo, der Firma Ortovox und Schuh-Sport Trenkle veranstaltet und findet bei den Ostallgäuer Skitourengehern großen Anklang. 'Bei einer Begrenzung auf 40 Teilnehmer kommt mehr raus. Sie können in Kleingruppen unter Anleitung von Profis effektiv üben. Der Erfolg gibt uns recht', freute sich Organisator Christoph Trenkle über das Interesse und denkt an eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Einhellig war auch das Lob der Teilnehmer: 'Hat viel gebracht. Der richtige Mix aus Theorie und Praxis', so Petra Uhl (33) aus Pfronten. 'Hat sich gelohnt. Gute Auffrischung. Man lernt immer wieder was Neues dazu', ergänzt Armin Hörmann (39) aus Pfronten, der zum dritten Mal dabei war.

Systematisches Ausschaufeln

Neu ist, dass mehr Wert auf das systematische Ausschaufeln des Verschütteten gelegt wird, weil es erfahrungsgemäß der zeitaufwendigste Teil der Rettung ist, wie Bergführer Thomas Hafenmair berichtete, der den Theorieabend bestritt. Als Entscheidungsstrategie empfahl er Einsteigern eine elementare Reduktionsmethode mit Obergrenzen, die sich am Lawinenlagebericht (LLB) und an der Hangneigung (der steilsten Stelle im Hang) orientiert: bei Gefahrenstufe 1 (Lawinengefahr 'gering') ergeben sich die Gefahrenstellen aus dem LLB, bei Stufe 2 ('mäßig') muss die ge-wählte Hangneigung unter 40 Grad, bei Stufe 3 ('erheblich') unter 35 Grad liegen, während bei Stufe 4 ('groß') und 5 ('sehr groß') auf Touren verzichtet werden soll. 'Wenn ich das Risiko minimieren will, habe ich bei Stufe 3 im Daufert nichts verloren', nannte Hafenmair ein Beispiel. Andere Entscheidungsstrategien wie die Snow-Card des Deutschen Alpenvereins, die Methode 'Stopp or Go' des Österreichischen Alpenvereins oder die Reduktionsmethode nach Werner Munter schließen Hafenmair zufolge daran an und erfordern mehr Basiswissen und Informationen.

'Wie Anschnallen im Auto'

Das Verschüttetensuchgerät (VS-Gerät) ist heute laut Bergführer Thomas Osterried aus Pfronten unverzichtbar 'wie das Anschnallen im Auto'. Er warnte aber davor, sich mit dem Kauf in einer 'falschen Sicherheit' zu wiegen. Dazu verleite die heutige Technikgläubigkeit. Ziel müsse es sein, mit Hilfe des LLB, von Informationen, die man vor und auf der Tour gewinnt, sowie von Entscheidungsstrategien das Risiko zu minimieren, wobei auch das 'Bauchgefühl' nicht zu ver-nachlässigen sei, so Osterried.

Auf einer Tour zum Schönkahler hatten die Teilnehmer Gelegenheit, den Umgang mit dem VS-Gerät bei einem simulierten Lawinenabgang mit mehreren 'Verschütteten' zu trainieren. 'Mit dem VS-Gerät kann man nicht oft genug üben. Das muss man jedes Jahr wiederholen', äußerte Christian Lang (41) aus Irsee, der ebenso wie Chris Kohler (38) aus Biberach schon zum dritten Mal teilnahm. Christine Dachauer (35) aus Stöttwang war zum ersten Mal dabei. Ihr hat der Kurs viel gebracht und sie möchte ihn wiederholen, weil ihr das Risiko bewusst ist, wenn man sich in den winterlichen Bergen bewegt. Auch Schneeschuhgeher profitierten vom Lawi-nenseminar, bestätigte Eberhard Backer (53) aus Pfronten. Sie sind schließlich nicht weniger gefährdet.

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