Lindenberg
Tausend Hüte, die keiner zu Gesicht bekommt

Wenn das Hutmueum Anfang Februar wieder öffnet, kann Manfred Röhrl auf gut 30 Jahre erfüllter ehrenamtlicher Arbeit zurückblicken. Weit über 100000 Besucher aus aller Welt haben die Lindenberger Besonderheit, die in Deutschland einzigartig ist, bewundert und ihre Anerkennung durch Mundpropaganda oder einen Eintrag ins Gästebuch ausgedrückt.

Nicht selten melden sich frühere Gäste und bieten etwas fürs Museum an. Betreuer Röhrl sammelt alles: Kopfbedeckungen aller Art - von der Pickelhaube bis zur Krone - und alles, was im entferntesten mit der Hutfertigung zu tun hat, wird im Archiv sorgsam gelagert. Deswegen ist die Kapazität im 1981 eröffneten «schönen Provisorium» (Röhrl) erschöpft.

Röhrl sucht neue, trockene Lagerräume. Denn bis sein Lebenstraum, ein Hutmuseum in der alten Fabrik auf dem Reichgelände, Wirklichkeit wird, dürften noch einige Jahre ins Land ziehen. Da ist er Realist. Insgeheim hofft er, dass bis zum Stadtjubiläum 2014 die Betreuung einem Team im Fabrikgebäude übergeben werden kann. «Das wäre der krönende Abschluss».

Was ihn besonders wurmt ist, dass er keine Sonderausstellungen anbieten kann. «Man möchte halt alles zeigen, dann kämen bestimmt mehr Gäste», bedauert er. An die tausend Hüte könnte er noch präsentieren zu den mehr als 250, die ständig ausgestellt sind. Und zu jedem Hut könnte der 69-Jährige eine Geschichte oder eine Anekdote erzählen.

86 Sonderführungen

Im Vorjahr waren wieder fast 4000 Besucher in den liebevoll eingerichteten Räumen am Brennterwinkel. Auf 86 Sonderführungen, die er mit seinen Helfern gemacht hat, ist Röhrl besonders stolz.

Da kommen meist ältere Herrschaften mit Bussen, in Gruppen von 20 bis 70 Reisenden, denen der Hobbyhistoriker Röhrl auch ein bisschen von der Geschichte der Hutstadt mit auf den Weg gibt. «Wir wollen die Stadt bestens präsentieren», unterstreicht er seine sehr persönlichen Führungen. «Die Leute sollen ein Erlebnis haben, nicht nur durchgeführt werden», legt er Wert auf Anschaulichkeit.

Dazu wird auf die Gastronomie hingewiesen, ein Spaziergang um den Waldsee empfohlen, die Stadtpfarrkirche mit den berühmten Glasfenstern von Professor Exter und der alte Friedhof. Neuerdings kommt ein Verweis auf das Wandgemälde von Luis Gurschler an der Grundschule hinzu.

Der leidenschaftliche Sammler ist mit seiner Frau Edeltraut das ganze Jahr auf Flohmärkten unterwegs, um seltene Stücke zu erwerben. Erstaunlicherweise wird er noch immer fündig.

Als er erfuhr, dass das älteste Hutgeschäft in München in der Briennerstraße, der Hutsalon von Berta Häußler, im Juli 2009 aufgelöst werden sollte, hielt ihn nichts mehr daheim und er besuchte Berta Riedel, die seit 30 Jahren das Geschäft führte, um verschiedene große Hutständer und schöne Handarbeitshüte aus ihrem Atelier, sowie Fotos und Bilder zu erstehen.

In den Sommermonaten lockt mittwochs das Schaunähen der Schneiderin Elfriede Berger aus Oberreute auch mal den einen oder anderen Einheimischen an. «Lindenberger kommen selten», weiß Röhrl, der auch als Aquarellmaler einen guten Ruf hat. Und weil die Besucher in der Regel von weit her kommen ist diese Visitenkarte besonders wichtig für die Außenwirkung der Hutstadt Lindenberg.

Öffnungszeiten: Das Hutmuseum in Lindenberg am Brennterwinkel hat von Anfang Februar an mittwochs von 15 bis 17.30 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Sonderführungen (ab 15 Personen) nach Vereinbarung mit dem Gästeamt Telefon (08381) 80328.

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