Streit um alte Rechnungen

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Kaufbeuren/Kempten | avu | Der Streit erinnert an ein abgestandenes Bier, bei dem jetzt trotzdem nochmal ordentlich nachgeschenkt wird. Die Auseinandersetzung zwischen dem früheren Vorstand und Großaktionär Dr. Klaus Rübelmann sowie der Aktienbrauerei Kaufbeuren setzt sich vor dem Kemptener Landgericht fort. Rübelmann will von dem Unternehmen Gehälter für zweieinhalb Jahre, die ihm seiner Ansicht zufolge nach der fristlosen Kündigung im Jahr 2005 zustehen. Dabei geht es um mehrere hunderttausend Euro. Und natürlich um die Ehre des Klägers.

Der Aufsichtsrat der Brauerei hatte den Rausschmiss damals mit zahlreichen Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung und Pflichtverletzungen, unter anderem der Vermischung privater und geschäftlicher Belange, begründet. Ein Vergleich in dem seit langem schwelenden Streit kam bisher nicht zustande. Und auch bei der jetzigen Verhandlung blieb der Anwalt der Aktiengesellschaft dabei, zumal weitere Vertreter des Unternehmens nicht anwesend waren, mit denen er sich hätte beraten können. 'Die Aktienbrauerei will freiwillig nichts zahlen', so der vorsitzende Richter Elmar Lechner. Deshalb werde die Beweisaufnahme fortgesetzt.

Auch dieser zweite Gerichtstermin erschöpfte sich deshalb darin, Zeugen zu hören und deren Erinnerungsvermögen auf die Probe zu stellen, um Geschäftliches und Privates auseinanderzurechnen. So musste die 'graue Eminenz' des Aufsichtsrates, dessen langjähriger ehemaliger Vorsitzende (bis 2003) Dr. Richard Trautner, aus München anreisen. Er sollte sich an Teilnehmer der 15 000 Euro teuren Feier zum 60. Geburtstag von Rübelmann in der Tiroler Nobelherberge 'Liebes Rot-Flüh' erinnern. Die Gesellschaft behauptet, die private Sause sei weitgehend über die Brauerei abgerechnet worden. Der damalige Jubilar gibt an, die Hälfte der Kosten selbst übernommen zu haben. 'Eine Tochter von Herrn Rübelmann war da', ließ Trautner das Gericht unter anderem wissen, 'eine sehr charmante junge Dame, mit der ich mich glänzend unterhalten habe.' Der ehemalige Aufsichtsratschef der Brauerei, Armin Voggel, blickte ebenfalls auf die Party in den Tannheimer Bergen zurück, wusste aber nicht, wer letztlich die Rechnung für ihn beglichten hatte. 'Hätte er (Rübelmann) mich gefragt', so Voggel, 'dann hätte ich ihm geraten, alles selbst zu zahlen. Das ist dann zumindest eindeutig.'

Im Zeugenstand nahm auch Rübelmanns Sohn Platz. Der Ex-Vorstand, so der Vorwurf der Gesellschaft, soll zwei Tankfüllungen für dessen Auto über die Brauerei abgerechnet haben. Für geschäftliche Fahrten habe sich sein Vater das Auto hin und wieder geliehen, weil es größer sei und über eine Anhängerkupplung verfüge, gab der Sohn zu Protokoll. Zudem habe Papas Wagen hin und wieder gestreikt.

Das Verfahren wird fortgesetzt. Zum nächsten Termin ist Rübelmanns ehemaliger Vorstandskollege Jens Schleifenbaum als Zeuge geladen, der damals ebenfalls gefeuert wurde, aber keine Ansprüche gegen die Brauerei stellt. Beide gemeinsam hielten einige Zeit die Aktienmehrheit am Unternehmen und überwarfen sich schließlich nach Differenzen in der Geschäftsführung.

Eines aber machte Richter Lechner den Streitparteien schon jetzt klar: Jede solle doch noch einmal über einen Vergleich nachdenken. Der Anwalt der Brauerei bekräftigte aber die ablehnende Haltung der Gesellschaft. Dies sei außerdem nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern auch eine politische, meinte er.

Ein Kompromiss in diesem erbitterten Streit müsste nämlich auch den Kleinaktionären in der nächsten Hauptversammlung erklärt werden. 'Eine unbequeme Entscheidung', so der Richter.

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