Stolzes Bürgerhaus zu neuem Leben erweckt

Kempten (li). - Die Kemptener Altstadt mit ihren Gassen und Winkeln war einst reich an Baudenkmälern. Viele von ihnen fielen der Sanierungswelle der 60er-Jahre zum Opfer. Doch etliche steinerne Zeugen der Bürgerkultur haben bis heute überlebt - etwa das so genannte Weitnauer-Haus, das bis vor kurzem aufwändig saniert wurde. Das Bürgerhaus an der Ecke von Klostersteige und Brandstatt stammt aus der Zeit, als sich Kemptens Protestanten (Reichsstadt) und Katholiken (Stiftsstadt) spinnefeind waren. Nach dem großen Brand von 1741 wurde das dreigeschossige Haus neu aufgebaut. Hervorstechend ist ein Rundbogenportal mit geschnitzter Holztür aus der Zeit um 1800. Damals hatten die Franzosen die Stadt besetzt. Wenig später, nach dem Frieden von Lunéville, wurden beide Kempten unter dem Dach des bayerischen Kurfürsten vereint. Die Weitnauer gehörten seit 1337 zu den führenden Familien der Reichsstadt. Aus der Linie des 1556 geborenen Bäckers Matteus Weitnauer wandte sich nach fünf Generationen mit Johann Georg Weitnauer ein Mitglied dem Beruf des 'Sporers' zu.

Nach drei Generationen als Schmiede, die Sporen herstellten, wechselte Johann Jakob Weitnauer (1814 - 1861) ins Schneidereifach. Aus den Bauakten geht hervor, dass der vierfache Familienvater sein Geschäft in der Klostersteige betrieb, vermutlich in einem Wohnzimmer. Sein ältester Sohn Jakob wurde ebenfalls Schneidermeister, heiratete die Schlossertochter Elise Wolff und übergab später sein Geschäft an seinen Sohn Jakob jun. Dieser verlegte sich mehr auf den Kleiderhandel. Er ließ 1911 den Laden mit Schaufenster gestalten. Die Ehe mit Babetta Gassner blieb kinderlos und so ging das Haus an seinen Bruder Friedrich. Der war Konditor und betrieb seit 1910 ein Geschäft an der Klostersteige 34. Sein Sohn Friedrich übernahm die Konditorei und führte sie bis 1976, ehe er das Geschäft an der oberen Klostersteige samt Café aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Zusammen mit seinem Schwiegersohn, Bauingenieur Gerhard Numberger, entwickelte der heute 85-jährige Hausbesitzer Friedrich Weitnauer den Plan zur Komplettsanierung. Neue Fenster und neue Technik unter Beibehaltung der alten Böden und des Treppenhauses kosteten rund 250000 Euro. Das Portal erweckte Kirchenmaler Karlheinz Weinzierl zu neuem Leben. Über die Sanierung freut sich auch Künstlerin Gwendolyn Boos, die in dem Haus wohnt und arbeitet.

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