Stimme mit endloser Dynamik

Von Christoph Pfister Sonthofen Somewhere over the rainbow Tanja Diebold und ihre kernig aufspielenden Begleiter entrückten die Zuhörer irgendwohin über den Regenbogen. Und machten sowohl widerliche Winterwinde, als auch vom Kalender befohlene faselnde Frohsinnsanfälle glatt vergessen. Die Sonthofer Soul-Sister so nahe und so direkt auf der heimeligen Bühne der Kulturwerkstatt zu erleben, ist so etwas wie Wolke Sieben für viele Freunde von Soul, Jazz und schwarzer Musik. Schnell und lustvoll war Tanja Diebold mit ihren vier friends in Stilrichtungen eingetaucht, die in Afrika und dem Süden Amerikas ihre Wurzeln haben. Sie atmen Glut und Schweiß, bringen Wut und Freude zugleich zum Ausdruck, und haben trotz multikultureller Einflüsse, Veränderungen und Vermischungen auch nach einem halben Jahrhundert ihre ursprüngliche Frische bewahrt. So gehen sie selbst in einer ihnen fremden Kulturwelt zu Herzen und reißen erfrischend mit. Tanja Diebold nähert sich diesen Werken, die allesamt von der ersten Garde internationaler Sangeskünstler mustergültig interpretiert und konserviert wurden, mit Natürlichkeit und musikalischem Eigensinn. Sie sucht eigene Deutungen, schöpft aus ihrer Stimme geschickt die nicht im Übermaß vorhandenen Farben, spielt vor allem souverän mit einer schier endlosen Dynamik, jongliert und variiert geschickt die Tempi. Ihre Klangfarben wirken niemals konstruiert oder technisch angemischt.

Das kommt locker gebauscht, mit Herz und Seele. Hat dabei Gewicht und Kraft, erzeugt anrührende wie ab und an geradezu verblüffende Effekte. Das überzeugt mit wenigen Ausnahmen und gibt einem so weiten Reigen von Jazzklassikern bis zu Marksteinen aus der Unterhaltungsmusik, von schwarzer geistlicher Musik bis weißen Evergreens substanzreiche wie spannende Wiedergaben. Ihren durchaus gewichtigen Anteil am farbenfrohen und leichten Vergnügen hatte die Combo: Souverän, stets aufmerksam und sanft das Quartett von der Gitarre aus strukturierend, Paul A. Gee. Authentische Töne vom krachenden Woodstock bis zur plauschigen Jazzbar streute Hans Enzensperger mit dem Tasteninstrument ein. Satt, doch nie aufdringlich, knisternd-trocken der Bass von Frank Thumbach. Martin Gee am Schlagzeug wird sich nach der gelungenen Premiere sicherlich dauerhaft zu den Freunden Tanjas zählen dürfen. Ihrer Frontfrau gleich liegen die besonderen Qualitäten der Band in ihrer natürlichen, musikalischen Ausgestaltung. Adäquat, luftig-transparent, nicht auf vordergründige Wirkung bedacht oder dramatisch überzogen. Es war ein farbiger, ein froher Abend mit Klasse und einer Tanja Diebold auf Höhenflug.

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