Stillstand würde das Ende bedeuten

Kaufbeuren | avu | Anfang Dezember hat das Kaufbeurer Unternehmen Inova Computers Insolvenz angemeldet. 80 Mitarbeiter an den Firmenstandorten Kaufbeuren und Hildesheim (bei Hannover) sind betroffen. Wie es im neuen Jahr mit dem zahlungsunfähigen Unternehmen, das auf robuste integrierte Computer und Fahrgast-Informationssysteme spezialisiert ist, weitergeht, schildert der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Pluta im Gespräch mit der AZ.

Herr Pluta, gibt es nach den turbulenten Wochen derzeit so etwas wie Weihnachtsfrieden bei Inova Computers?

Pluta: Friedlich ging es in dem Unternehmen immer zu. Aber die ruhigen Tage über den Jahreswechsel kommen uns sehr gelegen. Normalerweise würden wir jetzt mit Anfragen von Kunden und Lieferanten überrollt werden. Nun haben wir Zeit, an den Sanierungsplänen zu arbeiten und durchzuatmen.

'Offene Informationspolitik'

Kann die Basis auch durchatmen?

Pluta: Die Stimmung in der Belegschaft ist derzeit den Umständen entsprechend gut. Wir pflegen eine sehr offene Informationspolitik. Die Mitarbeiter wissen über alles Bescheid, was sie und das Unternehmen betrifft. Das gilt auch für die Beschäftigten am Inova-Standort Hildesheim, wo sich ein Mitarbeiter meiner Kanzlei befindet.

Dennoch denken offensichtlich einige Mitarbeiter darüber nach, das Unternehmen zu verlassen. Sehen Sie Auflösungstendenzen?

Pluta: Ich kann das nicht bestätigen, es gibt keine Auflösungserscheinungen. Aber natürlich machen sich die Mitarbeiter Gedanken, das ist ganz normal. Wir führen diesbezüglich auch Gespräche. Unsere Botschaft ist aber ganz klar: Dieses Unternehmen hat eine Perspektive.

Reicht diese Botschaft, um die Mannschaft zusammenzuhalten?

Pluta: Wir haben uns das Vertrauen der Belegschaft erarbeitet, indem wir eine sehr offene Informationspolitik machen und auch Vorleistungen erbracht haben. Auch das Januargehalt der Beschäftigten ist über das Insolvenzgeld gesichert. Auf das Vertrauen bauen wir weiter.

Gleichzeitig verhandeln Sie mit Interessenten, die das Unternehmen übernehmen könnten. Wie laufen die Gespräche?

Pluta: Vielversprechend. Es gibt eine Reihe von Interessenten, die aber, wie üblich, nicht genannt werden möchten.

Einer der Interessenten soll die Firma Kontron Modular Computers sein, deren Kaufbeurer Niederlassung sich in der Nachbarschaft von Inova Computers befindet. Beide Unternehmen sind in derselben Branche tätig. Wie konkret sind die Gespräche?

Pluta: Kein Kommentar. Ganz allgemein lässt sich aber sagen, dass die Entfernungen keine große Rolle spielen. Der örtlich nächste Kandidat ist nicht immer der naheliegende. Wir haben Unternehmen auch schon nach Neuseeland verkauft.

Es gibt bei Inova Computers den Bereich der integrierten Computersysteme und die Multimediasparte. Lassen sich beide Geschäftsfelder bei einem Verkauf erhalten?

Pluta: Der Multimediabereich basiert auf der Technologie der integrierten Computersysteme, das eine lässt sich also nicht ohne Weiteres isoliert vom anderen betrachten. Den höchsten Ertrag für die Gläubiger erzielen wir zudem erfahrungsgemäß mit einem kompletten Verkauf. Unser Ziel ist es also, das Unternehmen als Ganzes zu veräußern.

Warum sollte ein Investor denn zugreifen?

Pluta: Inova Computers sitzt auf einem enormen Auftragsbestand und hat eine hervorragende Marktstellung. Anders als bei vielen insolventen Unternehmen wurde hier bereits gesät. Jetzt ist Erntezeit. Das heißt, Viele Aufträge werden bald bilanzwirksam. Und das Produkt ist hervorragend.

'Viel Geld verbrannt'

Was lief also falsch?

Pluta: Es wurde sicher zu viel investiert und zu sehr auf Wachstum gesetzt, bevor sich einzelne große Aufträge in der Bilanz niederschlagen konnten. Auch der Gang an die Londoner Börse war für die Inova Holding als deutschen Mittelständler wohl ein Fehler. Da wurde viel Geld der Aktionäre verbrannt. Als größter Aktionär ist das aber mehr ein privates Problem von Inova-Geschäftsführer Josef Kreidl.

Ihre Vorsätze fürs neue Jahr? Haben Sie sich für die Sanierung und den Verkauf ein Zeitlimit gesetzt?

Pluta: Wir erarbeiten jetzt unseren Sanierungsplan und wollen ihn dann auch umgehend umsetzen. Ich sehe das aber auch wie verderbliche Ware. Wir müssen jetzt handeln und auch die Belegschaft bei der Stange halten. Stillstand würde das Ende des Unternehmens bedeuten.

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