Stier Roman soll wieder an seinen früheren Standort

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Von Ralf Lienert | Kempten Der Stier namens Roman soll wieder auf seinen früheren Platz vor der Allgäuhalle zurück. Seit Jahrzehnten steht das Denkmal nun zwischen parkenden Autos, doch damit soll bald Schluss sein. Stadtrat Hermann Ebner hat den Antrag gestellt, das erste Tierzuchtdenkmal Deutschlands wieder auf den Steinsockel am Eingang zu stellen. Die Blickrichtung soll hin zur Kotterner Straße gehen.

Wie aus den Akten des Stadtarchivs Kempten hervorgeht, war die Allgäuer Tierzuchthalle von den Architekten Otto und Leonhard Heydecker entworfen und am 18. September 1928 auf dem ehemaligen Viehmarktplatz der Stadt eingeweiht worden. 'Leider nicht fertig geworden ist das künftige Wahrzeichen unseres Unternehmens, eine monumentale Stierfigur des Ludwig Eberle aus München, gebürtig aus Grönenbach, bestimmt zur Aufstellung im Freien zwischen den beiden Treppen der Auffahrt, zugleich das erste Denkmal der Tierzucht in Deutschland', erklärte damals Oberbürgermeister Dr. Otto Merkt.

Mit dem Hinterteil zum Zug

Wenig später kam die Figur aus Muschelkalk dann aber doch auf ihren Sockel und schaute fortan in Richtung Halle. Das sorgte bei so manchem Kemptener für Schmunzeln. 'Damals gingen die Züge noch in den Alten Bahnhof und vom Zug aus konnte man immer das Hinterteil des Stiers sehen', weiß Erwin Hagenmaier. Doch Roman der Stier wurde nicht wegen seiner prächtigen Formen ins Abseits gestellt.

Oberbürgermeister August Fischer (1952-1970) läutete nach dem Zweiten Weltkrieg das moderne Kempten ein. 'Er machte aus der Tierzuchthalle die Allgäuhalle und da war der Stier im Weg', weiß Alt-Oberbürgermeister Dr. Josef Höß. Eine offizielle Umbenennung an einem ganz bestimmten Tag eines Jahres mit entsprechender Feierlichkeit hat es wohl nicht gegeben. 'Bereits in den 1950er Jahren ist von der Allgäuhalle die Rede', rekonstruierte Stadtarchivar Dr. Franz-Rasso Böck. Noch bis 1970 wird das Gebäude im städtischen Straßenverzeichnis als Tierzuchthalle bezeichnet, erst 1974 taucht amtlich der Begriff Allgäuhalle auf.

Modell stand in der Weitnau

Im April 1929 erzählte der Künstler Ludwig Eberle (1883-1956) bei einem 'Biedermeierabend' in Kempten über sein Werk. Als Modell stand demnach Stier Roman aus dem Stall von Gutsbesitzer Kollmann in der Weitnau Modell. Ungezählte zeichnerische und plastische Studien habe Eberle dort gemacht. 'Das Wesen des Stieres hat tierpsychologisch kein Allgäuer Bauer besser studiert als der Allgäuer Künstler Ludwig Eberle', urteilte damals Stadtarchivar Friedrich Heinrich Hacker. In seinem Atelier am Biedersteinerpark in München schlug Eberle die Figur aus Muschelsteinkalk aus Grönenbach.

Großes Publikumsinteresse gab es für den anschließenden 'Feinschliff' an dem zweieinhalb Tonnen schweren Stein, den der Künstler rund 14 Tage lang vor der Halle vornahm. Am Ende war Roman der Stier eines der wenigen schweren Tiermonumente, das ohne störenden Träger zwischen den Füßen geschaffen wurde.

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