Stein erinnert an menschliche Tragödie

Stötten (man). - Mehr als 100 Menschen aus dem Auerbergland waren zu einer Gedenkstein-Enthüllung südlich von Salchenried gekommen. Dort erinnern ab sofort ein Stein und eine Tafel an die tragische Geschichte, die mit dem Lehenhof verbunden war. Initiiert wurde die Enthüllung vom Trachtenverein 'Schwäbischer Rigi'. Bei der Feier wurden Szenen aus dem Theaterstück 'Der Lehenhof am Auerberg' aufgeführt. Manfred B. Müller schildert die Gedenkfeier so: 'Stiefelwix und Goldpapier, Kreiter, G'wiez und Elexier.' So klang es aus dem Mund des Kramer-Girgl, als er 1864 zum letzten Mal auf den Lehenhof am Auerberg zukehrte und seine Waren dem Großbauern, seiner Frau und deren Tochter Josefa anbot. Im selben Jahre noch wurde der Hof durch tragische menschliche Schuld und Verblendung vernichtet: Der Knecht, der die Bauerntochter liebte und mit ihr zwei ledige Kinder hatte, wurde letztendlich von ihr verschmäht. So zündete der Knecht aus Rache den Hof an, wobei ein Kind von ihm mit dem Hof verbrannte. So furchtbar geschlagen, floh er in die Welt hinaus: In eine Welt, die für den schuldbeladenen Mann hart genug war. Soweit die überlieferten Tatsachen von 1864. Der Hof wurde nie wieder aufgebaut. Dort, wo er stand, sind heute Wälder und Wiesen am südlichen Auerberg. Die Worte des Kramer-Girgl erklingen auch an diesem Tag auf der großen Waldlichtung von Salchenried, dort, wo einst der Hof stand. Der Trachtenverein 'Schwäbischer Rigi' hat zur Enthüllung eines Gedenksteins an den Hof geladen. Mehr als 100 Auerbergler und andere Heimatfreunde sind gekommen, um die Feier zum Gedenken an diese tragischen Ereignisse mitzuerleben. Eine Gedenkfeier aber, anders als die gewohnten mit gestelzten Ansprachen. Durchgeführt wird sie - zusammen mit seinen Vereinsfreunden - vom Chronisten und leidenschaftlichen Theatermann Walter Sirch.

Dieser hat das Stück 'Der Lehenhof am Auerberg' geschrieben, aufgeführt und damit dieses dramatische Ereignis dem Vergessen entrissen. Sie haben ihn mühsam beschafft und jetzt harrt auf der Lichtung: dieser riesige Nagelfluh-Block der Enthüllung. In der Tracht von damals schleppt sich der Kramer-Girgl mit seiner schweren Kraxe aus dem Wald heraus und ruft seine anpreisenden Sprüche. Dann erinnert er in sinnigen Worten an das damalige Schicksal der Lehenhofleute. Dazu spielt die Thalhofener Tanzlmusik um Peter Müller alte Weisen. Zwei Stöttener Bläser, Stefan Gansohr und Wolfgang Steiner, stimmen auf den eigentlichen Enthüllungsakt ein. Mittlerweile überzieht sich der Himmel mit dunklen Wolken, der Düsternis der damaligen Ereignisse angemessen. Denn jetzt tritt der 'Gottseibeiuns' auf, der Abgründige, der, der dem Menschen und den Seinen das Unheil bringt. Seppl Hengge als Teufel und Richard Bottner als verschmähter Liebender und Opfer spielen nochmal den Kernteil des Stücks. Angetrieben vom großen Versucher, entflammt der arme Michael wieder symbolisch den Hof und ein Strohhaufen brennt wieder wirbelnd auf. Gleichzeitig zieht Walter Sirch das Rupfentuch vom Block und es zeigt sich ein großer Stein, zur Erinnerung und Mahnung vor blinder Rachsucht und Überheblichkeit. Angebracht ist ein blankes Messingschild, das auf die Ereignisse und seinen heutigen Chronisten hinweist. Symbolisch auch der Stein: Nagelfluh, eine gebackene Masse aus kleinen Einzelsteinen, ist eigentlich so recht ein Symbol für die Auerbergler. Sie halten zusammen in ihrer Heimat. Dann wandern alle mit der kleinen Blasmusik durch den Wald zum Haus von Rudi Wörmann und seiner Frau. Sie haben zusammen mit den Trachtlern eine schmackhafte Brotzeit mit Bier vorbereitet. Mitten im Wald, in der Natur, da, wo unsere Musik so fein klingt und beschwingt. Dafür sorgen wieder die Thalhofener und die Halbtonmusik aus Stötten. Befreit von der beklemmenden Erinnerung an die Zeit vor 140 Jahren ergötzt sich alles am Gespräch und an den einfachen Genüssen der Brotzeitecke. Das war es, was so erfreute und wofür sich alle bei Walter Sirch, beim Trachtenverein und bei der Familie Wörmann bedankten. Auf welche Weise wird wohl in fernerer Zeit unserer kleinen Ereignisse rund um den Auerberg gedacht werden? Wohl kaum mit dem alten Ruf des Kramer-Girgl.

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