Statt neuer Kaskade lieber Altbewährtes

Kempten(buc). An zu hohen Stickstoffwerten hat das Gruppenklärwerk in Lauben wie berichtet ganz schwer zu schlucken. Deshalb soll die Anlage ausgebaut werden. Was ganz Neues, ganz Innovatives war vorgesehen: eine Kaskaden-Hybriddenitrifikation, von Nicht-Chemikern auch 'Kemptener Kaskade' genannt. Aber dann musste noch mal geplant werden, weil sich Standards bei Grenzwerten verschoben hatten und eine neue, betriebswirtschaftlich günstigere Lösung möglich machten. Die gefiel gestern auch den Mitgliedern des Abwasserverbandes. Frühestens im 4. Quartal kann's heuer - abhängig von Genehmigungen und der Witterung - losgehen mit dem Bau von Variante 4a. Ausgebaut ist das Klärwerk derzeit auf 300000 'Einwohnerwerte' (EW). Reicht doch, mag sich so mancher denken, der weiß, dass es nur so um die 110000 Einwohner im Verbandsgebiet, der Stadt Kempten und elf Umlandgemeinden, gibt. Reicht eben nicht, rechnete gestern noch mal Verbandsvorsitzender Dr. Ulrich Netzer vor. Im Gegenteil. Die Belastung des Klärwerks ist auf über 325000 EW gestiegen. Auch die Stickstoff reichen Abwässer, die aus der Industrie und besonders aus den Käsewerken kommen, werden nämlich in EW berechnet. Netzer: 'Die anderen Werte sind ok, das sagt auch das Wasserwirtschaftsamt. Aber beim Stickstoff muss dringend etwas getan werden'. Deshalb soll das Klärwerk auf 400000 EW erweitert werden. Über das 'Wie' berieten jetzt noch einmal die Verbandsräte und stimmten schließlich mit den beiden Vertretern der Kemptener Ingenieurgemeinschaft überein, dass nicht der Kaskade, sondern der bewährten, mit rund 5 Millionen Euro gleich teuren 'Tropfkörper-Lösung' (da reinigen Mikroorganismen auf Lavasteinen das Abwasser) der Vorzug zu geben sei. Diese 'Variante 4a' biete nicht nur Vorteile durch schnellere Errichtung und einfachen Betrieb, erklärten Netzer und Abwasserverband-Geschäftsleiter Rudolf Bader: Der Ausbau zum endgültigen Reinigungsziel könne in drei Stufen erfolgen, die jederzeit auf Notwendigkeit und Effektivität hin überprüfbar seien. Die erste umfasst einen Tropfkörper mit rund 5000 Kubikmetern Nutzvolumen. Kosten: 2,2 Millionen Euro. Damit soll der Stickstoffausstoß von jetzt 23 auf 18 Milligramm pro Liter reduziert werden. Die zweite, 1,6 Millionen Euro teure Stufe soll im Jahr 2008 den Wert von 18 auf 13 Milligramm senken.

Verbandsmitglieder sparen Mit der Erweiterung ist also eine 20-prozentige Minderung des Schadstoffes Stickstoff verbunden, so dass die Abwasserabgabe an den Freistaat rückwirkend von drei Jahren nach Inbetriebnahme mit den Baukosten verrechnet werden kann. Das heißt, die zwölf Verbandsmitglieder müssen nicht so kräftig wie erwartet zahlen. 1,5 Millionen werden bereits bei der ersten Stufe verrechnet, bleiben 700000 Euro Rest. Der Löwenanteil entfällt mit fast 404000 Euro auf Kempten, gefolgt von den Käsewerk-Standorten Altusried (78600 Euro) und Lauben (111000 Euro).

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