Marktoberdorf
Statt Autos mehr Radler

Irgendwie, so formulierte es Carl Singer (Freie Wähler) im Bauausschuss, stecke die Stadt in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite soll sie laut Zentrenkonzept Marktoberdorfs Innenstadt stärken, was seiner Meinung nach Verkehr bringt. Auf der anderen Seite soll sie eben jenes Gebiet vor noch mehr Autos bewahren. Denn die Zahlen, die Verkehrsexperte Robert Ulzhöfer vom Münchner Büro Lang und Burkhardt in der Sitzung vorlegte, zeigten auf, wie sehr die Stadt Lösungen braucht.

Als die neuralgischen Punkte zeigte Ulzhöfer erneut die Bahnhofstraße und die Meichelbeckstraße auf. Beide sind täglich mit 24000 Fahrzeugen belastet. Ohne Maßnahmen wie Umgehung oder anderweitige Lenkung werden es 2025 rund 30000 Autos sein. Im besten Fall werde es die Stadt nur schaffen, den gegenwärtigen Stand auch in den nächsten 15 Jahren zu halten.

Falls Marktoberdorf eine Umgehungsstraße erhält und die Meichelbeckstraße ihren Status als Bundesstraße verliert, dürfe der Verkehr nicht in die Bahnhofstraße verlagert werden. Bei 12000 (jetzt 10000) Fahrzeugen pro Tag sei das Kapazitätsmaximum erreicht, erklärte Ulzhöfer. Eine teilweise Entlastung könnte bringen, wenn die Thalhofener auf ihrem Weg nach Marktoberdorf-Nord über die Johann-Georg-Fendt-Straße führen.

Die Meichelbeckstraße ließe sich von innerstädtischem Verkehr zumindest zum Teil befreien, wenn Bewohner aus dem Süden der Stadt - besonders Gschlatt und Gewend - zur Fahrt nach Kaufbeuren die Bertoldshofener Umgehung nutzten. Das ließe sich erreichen, wenn in der Meichelbeckstraße und an der Rauhkreuzung Engstellen oder veränderte Ampelphasen den Durchgangsverkehr vergraulen.

Ums Parken gut bestellt

Andreas Wachter (CSU) griff Ulzhöfers Idee auf, auf der Westseite der Bahngleise eine Querung und Parkplätze an der Johann-Georg-Fendt-Straße zu schaffen. Dadurch ließe sich das Parkhaus am Bahnhof sparen. Diesen Bau verteidigte Stadtbaumeister Peter Münsch. Er soll auch die Fahrzeuge von Personen aufnehmen, die in der Stadt arbeiten, und von denjenigen, die jetzt in der Bahnhofstraße parken.

Insgesamt, so Ulzhöfer, sei es um die Parksituation in der Stadt sehr gut gestellt. Allein 550 öffentliche Stellflächen gebe es im Zentrum. Hinzu kämen die der Supermärkte. Damit und dass größere Märkte im Innenstadtbereich existieren, könne Marktoberdorf sehr zufrieden sein: «Das sind gute Voraussetzungen für eine Stadtentwicklung.»

Weiter stellte der Verkehrsexperte die Notwendigkeit heraus, Marktoberdorf für Radfahrer und Fußgänger attraktiver zu machen. Deren Quote an den Verkehrsteilnehmern von 35 auf 45 Prozent zu steigern, bringe im gleichen Umfang eine Verringerung der Fahrten mit dem Auto mit sich. «Das wäre dann eine wirkliche Entlastung.»

Aufs Ziel konzentrieren

Als sich der Ausschuss in Details erging, zeigte Münsch deutlich auf: «Ich vermisse in der Diskussion das Ziel, wie wir die Kernstadt vom Verkehr entlasten, den Wohnwert und die Aufenthaltsqualität steigern. Wir müssen überlegen, wie wir die Weichen für die Entwicklung der nächsten zehn bis 15 Jahre stellen wollen. Wir müssen möglichen Investoren zeigen, was wir wollen, damit sie in der Stadt investieren.»

Dies soll nun in der Klausurtagung des Stadtrats geschehen, die am Wochenende ansteht.

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