Start ins Berufsleben mit Verzögerungen

Marktoberdorf/Ostallgäu(vit). - 'Früher konnten mir zum Halbjahr fast alle Neuntklässler sagen, welche Lehrstelle sie im Sommer antreten', erinnert sich der Marktoberdorfer Hauptschulrektor Leonhard Reichhart. Heuer hingegen sei es 'nicht so rosig' - ähnlich wie auch schon vor einem Jahr. 'Nicht so rosig' heißt konkret, dass von 101 Schülern in den neunten Klassen erst 45 eine feste Lehrstellenzusage haben, fünf haben eine Stelle so gut wie sicher. 12 haben noch nichts, die anderen 39 werden wohl noch länger zur Schule gehen. Ganz anders hingegen sind die Aussichten bei den Abschlussschülern im M-Zug. Vier 9. Klassen hat Reichhart an seiner Schule und nicht mal die Hälfte der 101 Schüler, so ergab eine schulinterne Umfrage vor kurzem, haben einen sicheren Lehrstellenvertrag in der Tasche. Zwölf, so Reichhart, hätten noch überhaupt nichts für die Zeit nach der Schule. Ein Viertel der jungen Menschen wollen danach eine andere Schule besuchen, weil sie keine andere Ausbildungsmöglichkeit gefunden haben: Berufsgrundschuljahr, Kinderpflegerinnenschule und Hauswirtschaftsschule bieten ihnen eine Möglichkeit, in eine berufliche Laufbahn zu starten. Voraussichtlich 14 Schüler, so weiß Reichhart, bleiben an seiner Schule: Sie wollen die 9. Klasse wiederholen, um den Notenschnitt zu verbessern, überhaupt einen Schulabschluss zu bekommen oder um vielleicht doch noch den qualifizierenden Hauptschulabschluss (QA) zu schaffen. Früher stand für die jungen Menschen beim Start ins Berufsleben eine größere Zahl von Lehrstellen zur Verfügung, so Reichhart. Nun sei er 'heilfroh', dass es wenigstens für alle eine Möglichkeit gebe, schulisch weiterzumachen - auch wenn sich dadurch die Suche nach einer Stelle nur um ein Jahr verschiebe. Ursachen für das Vermittlungsproblem sieht er aber auch bei einzelnen Schülern. Bei manchen zeige sich schon in der 7. Klasse, dass das Verhalten nicht passe. Nach der 9. Klasse seien diese Jugendlichen nicht vermittelbar.

M-Schüler bei Betrieben gefragt Erfreulich hingegen sind für Reichhart die Ergebnisse aus dem M-Zug: Derzeit besuchen 39 Schüler die beiden 10. Klassen, an deren Ende die mittlere Reife steht. 25 von ihnen haben bereits fest eine Ausbildungsstelle, drei haben gute Aussichten für eine Lehre. Sieben M-Schüler wollen sich ab Herbst in der Fachoberschule auf das Fachabitur vorbereiten, zwei leisten ein Freiwilliges Soziales Jahr. Nur bei zweien sei die Zukunft ungewiss. Die Mädchen aus dem M-Zug zieht es stark in den Gesundheitsbereich, aber auch Hotelfach und Goldschmiedeausbildung sind gefragt. Ihre männlichen Kollegen finden vor allem Lehrstellen im technischen Bereich: IT-Systemtechniker, Mechatroniker und ähnliches. Aus Reichharts Sicht zeigt dies, dass die M-Züge von der Wirtschaft gut angenommen werden und sich die stark praktische Ausrichtung bewähre. Manche Firmen fragen sogar ganz gezielt nach diesen Jugendlichen.

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