Kaufbeuren
Stadt soll für Wallfahrer noch interessanter werden

Kritik an der Pilgerbeauftragten Evelyn Track hatte kürzlich in einer öffentlichen Ausschusssitzung der Freie-Wähler-Stadtrat und Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl geübt. Von ihrer Arbeit merke er leider nicht viel, die Pilgerzahlen seien seit der Heiligsprechung Crescentias Ende 2001 durch Papst Johannes Paul II. immer weiter zurückgegangen. Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) hingegen nimmt die 29-Jährige in Schutz. «Frau Track hat ein schlüssiges Konzept für die Zukunft aufgestellt.» Das habe überzeugt, weshalb der Vertrag mit der studierten Geografin auch um weitere zwei Jahre verlängert wurde, nämlich bis Ende September 2011. Track kam erst im Oktober 2007, so dass erst die Zahlen für das Jahr 2008 - die im übrigen durchaus schon angestiegen sind - von ihr zu verantworten sind.

Evelyn Track selbst sieht die Kritik Pohls nicht als Angriff, sondern als allemal legitime Nachfrage. Sie ist überzeugt davon, dass ihre Arbeit durchaus wirksam wird. «Am Anfang musste ich zunächst erst alle Akteure kennenlernen», meint sie. Inzwischen treffe sie sich beispielsweise jede Woche mit der Generaloberin des Crescentiaklosters, Schwester Regina.

Wichtig war ihr auch, festzustellen, welche Charakteristika ihre Zielgruppe - die Pilger - aufweisen. Dabei kommt sie zu zwei Ergebnissen: Die Besucher im Kloster, etwa in der Crescentiagedenkstätte, sind vorwiegend weiblich, älter als 50 und stammen aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Anders sieht die Altersstruktur bei den Oasentagen (also zum Beispiel Meditationsangeboten) im Kloster sowie den Führungen auf dem Crescentiapilgerweg aus.

«Da kommen auch viele Jüngere, schon ab 30 Jahre», so Track.

Die Idee, einen geführten Pilgerweg anzubieten, hat sie übrigens von ähnlichen Angeboten des Jakobswegs in Spanien übernommen. Den Crescentia-Pilgerweg (er zeichnet Wanderungen der Heiligen zwischen Kaufbeuren, Ottobeuren und Mindelheim nach) hat Track selbst abgegangen, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten sowie Wegweiser überprüft und die Strecke verändert. Ein Abschnitt, in dem die Teilnehmer auf einer unattraktiven Asphaltstraße laufen mussten, wurde herausgenommen und durch einen schöneren Weg ersetzt. Der Pilgerweg wurde dadurch zwar um zwei Kilometer kürzer, aber attraktiver, meint sie. Nun ist er 86 Kilometer lang, wofür eine viertägige Wanderung veranschlagt wird.

Derzeit wird ein Prospekt für die neue Strecke erstellt. Der Pilgerweg werde immer populärer. «Momentan habe ich bestimmt zehn Anfragen in der Woche nach diesem Thema.»

Pflege des Internetauftritts

Zudem muss Track immer wieder Prospekte aktualisieren, den Internetauftritt (www.crescentia.de) pflegen, und auch fehlerhafte Eintragungen bei Wikipedia hat sie korrigiert. Die Zahl der Pressemittelungen zum Thema Pilgern stieg von drei im Jahr 2006 auf 30 im Jahr 2008. 2500 direkte Werbungen schickte sie 2008 an Pfarreien und Frauenvereine in Baden-Württemberg (nachdem 2007 der bayerische Bereich versorgt worden war). Dazu kommen Anzeigen in einschlägigen Blättern wie etwa der Katholischen Sonntagszeitung. Dies alles mit einem schmalen Jahresbudget von 14000 Euro.

Track visiert für dieses Jahr 5500 bis 6000 registrierte Teilnehmer an Gruppenreisen an. Mehr sollten es 2011 werden. Dann werden 750 Jahre urkundliche Erwähnung des Klosters und das zehnte Jahr der Heiligsprechung gefeiert. Als Zelebrant für das erstere Ereignis hat bereits Erzbischof Reinhard Marx zugesagt, für letzteres der Nuntius (Botschafter) des Papstes in Berlin.

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