Stadt richtet sich ein Ökokonto ein

Kaufbeuren (rö). - Wenn durch eine Baumaßnahme ein Eingriff in die Natur vorgenommen wird, muss laut Gesetzgeber eine entsprechende ökologische Ausgleichsfläche geschaffen werden, damit das ökologische Gleichgewicht intakt bleibt. Der Bauausschuss der Stadt beschloss nun, ein so genanntes Ökokonto einzurichten. Ökologische Ausgleichsflächen können darin langfristig 'bevorratet' und bei Bedarf herangezogen werden. Zehn passende Flächen sind bereits vorgeschlagen. Die Stadt kann das Ökokonto nicht nur nutzen, wenn sie selbst ein Baugebiet ausweist, sie kann Ausgleichsfläche - natürlich gegen Geld - auch privaten Investoren zur Verfügung stellen. Stadtplaner Manfred Pfefferle erläuterte den Ausschussmitgliedern die Vorteile eines solchen Kontos. Auch wenn eine Baumaßnahme erst später erfolgen soll, sich im Flächennutzungsplan aber schon abzeichnet, sei es für die Kommune sinnvoll, sich frühzeitig Gedanken über die Ausgleichsfläche zu machen, städtische Flächen daraufhin zu untersuchen und Flächen vorzuhalten. Damit werden die Bebauungspläne entlastet - steht keine geeignete Fläche zur Verfügung, kommt es oft zu Verzögerungen - und der Handlungsspielraum der Kommune wird dadurch gestärkt; Vorteile aus naturschutzfachlicher Sicht liegen ohnehin auf der Hand. Grundsätztlich gilt: Die in Frage kommenden Flächen müssen noch ökologisch aufwertbar sein - wobei das nicht unbedingt heißen muss, dass die Bepflanzung zunimmt. Theoretisch könnte auch die Rodung ein Weg zur Aufwertung sein. Die Flächen dürfen nicht bereits für ein anderes Gebiet Ausgleichsfläche sein und sie dürfen noch nicht von einem staatlichen Zuschussprogramm profitieren. Die Ausgleichsflächen müssen dem Ministerium für Landesentwicklung auch gemeldet werden Der einzige Nachteil für die Kommune besteht darin, dass sie die Ausgleichsflächen vorfinanzieren muss. Das Stadtplanungsamt habe in Absprache mit Liegenschafts- und Umweltamt sowie dem Forstamt die städtischen Flächen untersucht und dabei gleichzeitig auf kostengünstige Maßnahmen geachtet. Laut Pfefferle belaufen sich die Kosten für die zunächst ins Auge gefassten zehn Flächen mit einem Ausgleichspotenzial von mehr als 100000 Quadratmetern auf rund 68000 Euro, die aber auf mehrere Jahre verteilt finanziert werden können. Werden die Flächen in Anspruch genommen, erfolgt eine vollständige Refinanzierung.

Grundstock gelegt Auf Nachfrage von Ernst Schönhaar erklärte Pfefferle, dass bereits Maßnahmen erfolgt sind, die die Stadt schon auf das Ökokonto 'einzahlen' kann - beispielsweise am Kesselberg oder bei der Bachrenaturierung im Kaufbeurer Norden. Karl-Georg Bauernfeind gab zu bedenken, dass unter Umständen ein negativer Effekt eintreten könnte. 'Ich habe erlebt, dass Eigentümer von Bauerwartungsland, für das es noch keinen Bebauungsplan gibt, oder von Gewerbegrund, regelmäßig Bewuchs von ihrem Grund zu entfernen beginnen, um das Gelände nicht ökologisch wertvoller zu machen. Denn desto höher müsste später der Ausgleich ausfallen', brachte er vor. Pfefferle riet deshalb, sich rechtzeitig mit dem Umweltamt in Verbindung zu setzen. Es gebe, räumte er ein, in der Tat auch Fälle, wo man den Eigentümern raten müsste, keine zu hohen Aufwertungsmaßnahmen vorzunehmen.

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