Spielarten eines grenzenlosen Weltklang

Von Gabriele Schroth, Marktoberdorf - Die pfingstliche Begegnung der großen Weltreligionen bei Musica Sacra International fand ihren Höhepunkt beim festlichen Abschlusskonzert in St. Martin. In ihrem eindrucksvollen Defilee beschworen die Gastensembles aus zehn Nationen die überwältigend vielseitigen Spielarten eines grenzenlosen Weltklangs. Als pfingstliches Zeichen für Grenzenlosigkeit und Frieden wertete Festivalleiter Dolf Rabus die neuerliche Begegnung der Weltreligionen im Allgäu. Denn so vielfältig ihre musikalische Botschaft auch ist, sie vermittelt doch eine Vorstellung vom verbindenden Urklang der Welt. Professor von Brück verwies in seinem Vortrag auf die 'Schwingung' des Universums, die jenen Klang auslöste, und erinnerte an die hinduistische Vorstellung vom Atem Shivas, der den 'Resonanzraum' Welt inspiriere. 'Musik des Himmels' tönte denn auch aus den süßen traumverlorenen Raga-Melodien des indischen Geigers Manoj Baruah zum Tabla-Spiel von Soumitrajit Chatterjee, die ihr Publikum regelmäßig in Trance versetzten. In Sufi-inspirierte islamische Klänge dagegen versenkte sich Maryam Akhondy und das Barbad-Ensemble mit der altpersischen 'Ney'-Flöte, dem 72-saitigen Hackbrett 'Santaur' und der 'Tar'-Laute.

Und zu Zimbelklang und Gesang entzückten die anmutigen nepalesischen Tänzerinnen nicht allein Buddha, sondern auch das westliche Publikum in ihrem farbenprächtigen goldenen Aufputz. Die orthodoxen Sängerinnen aus Sofia überraschten mit zarten Gesängen, und bewegende Töne kamen von Kantor Eliyahu Schleifer und dem Upper Galilee Choir. Eindrucksvoll zeigten sich auch die sardischen Sänger mit ihren tiefen gutturalen Stimmen. Staunen erregte der Organist Leonarado Carrieri mit einer Komposition von Yon, der italienische Lieder und die Garibaldi-Hymne zu einer virtuos-dramatischen Orgel-'Rapsodia' schmiedete. Und selbstverständlich steckten die Afrikaner aus Kampala das Publikum wieder an mit ihren rhythmischen Gesängen und Tänzen. Herausragende moderne Klänge stehen vor allem für Musica Sacra 2004, nicht nur mit Gianfranco Grisis Auftragskomposition, die das flämische Goeyvaerts Consort vortrug. Unerhörte neue Maßstäbe setzte das 'Requiem' des Schweden Nils Lindberg in seinem Brückenschlag zum Jazz - eine grandiose Leistung von Carl Orff Chor, Vocalensemble Landsberg und Bayerischem Landes-Jugendjazzorchester. Als Publikumsliebling entpuppte sich indes mit hinreißenden Liedern das finnische 'Rajaton'-Sextett. Elf unvergessliche Musikensembles spannten so überwältigende Klangmuster über Raum und Zeit.

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