SPD-Basis begrüßt die Ämterteilung

Buchloe/Ostallgäu (mel/jth/un). - Kanzler und Parteivorsitzender in einer Person - das habe schon der CDU unter Helmut Kohl nicht gut getan, sagt der Buchloer SPD-Ortsvorsitzende Ralf Strohmayer. Und deshalb begrüßt er den Rücktritt 'seines' Kanzlers Gerhard Schröder vom SPD-Parteivorsitz, 'auch wenn das vielleicht etwas überstürzt über die Bühne ging'. Zum neuen Generalsekretär Klaus Uwe Benneter kann Strohmayer nicht viel sagen, 'von ihm hatte ich bisher noch nie gehört'. Wenn ein Bundeskanzler zugleich Parteivorsitzender ist, dann verliere er leicht eines aus dem Auge - die Regierungsarbeit oder die Partei, so Strohmayer. In diesem Fall sei es - wie meistens - die Partei gewesen. Und damit drohte die SPD aus Sicht des Buchloers zu einem 'Kanzlerwahlverein' zu verkommen, so sei es einst ja auch der CDU ergangen. Zu Franz Müntefering, dem neuen Mann an der Parteispitze, meint der Buchloer: 'Sicher ein guter Mann - wenn er für dieses Amt vielleicht auch ein bisschen jünger sein könnte.' Letzteres sei aber weit weniger wichtig als die Tatsache, dass 'handwerkliche Fehler wie etwa bei der Praxisgebühr' nicht mehr so leicht vorkommen werden, wenn neben dem Kanzler ein zweiter Mann vorne mitmischt. Richtig überrascht wurde Strohmayer von der Nominierung Benneters als SPD-General: 'Ich hätte mir in diesem Fall Herrn Gabriel gewünscht, aber vielleicht soll er ja für eine mögliche Kabinettsumbildung in der Hinterhand behalten werden.' Einen neuen Minister 'mit mehr Durchsetzungskraft' würde sich Strohmayer vor allem im Bereich Verkehr wünschen. Nun aber sollten sich erst einmal die Wogen glätten, meint er weiter: 'Zum jetzigen Zeitpunkt wäre eine Kabinettsumbildung nicht sinnvoll, aber zur Halbzeit, im Sommer, wäre sie durchaus möglich - Herr Kohl hat das seinerzeit ja auch gerne so gemacht.' Auch die SPD-Unterbezirksvorsitzende Ilona Deckwerth begrüßt die Ämterteilung an der Spitze: 'Ich bin froh, dass Schröder so reagiert hat.' Müntefering, den sie persönlich beim Parteitag in Bochum erlebt hat, sei der 'ideale Mann'. Den Rückschluss aus Unions-Reihen, dass es nun Zeit für Neuwahlen und der Rücktritt vom Parteivorsitz der 'Anfang vom Ende' Schröders sei, weist sie weit von sich. Die Nominierung von Benneter, der 1977 für sechs Jahre aus der SPD ausgeschlossen wurde, weil er für Aktionsbündnisse mit der Deutschen Kommunistischen Partei eingetreten war, hält sie ebenfalls für eine kluge Entscheidung. 'Das ist ein deutliches Signal an den linken Flügel der Partei, ihren Ideen nachzukommen', so Deckwerth. Der Buchloer Ralf Strohmayer hält sich hier eher bedeckt, lässt aber Skepsis durchblicken: 'Man wird sehen.'

Skarpelis-Sperk will Kurswechsel Mit dem Daumen nach oben zeigt die Bundestagsabgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk aus Pfronten. Sie hatte sich in der Vergangenheit schon mehrfach gegen den Kurs der Bundesregierung gestellt. Die jüngste Entscheidung Schröders trägt sie jedoch mit. Sie fordert aber auch eine Kurskorrektur. Es müsse wieder ersichtlich sein, dass der kleine Mann bei der SPD gut aufgehoben sei, so die Abgeordnete. Mit dem Austausch der Personen sei es nicht getan, diese Entscheidung fordere auch eine Richtungsänderung. Die SPD müsse mehr für Wachstum und Beschäftigung tun, mehr investieren - vor allem was Umwelt und Forschung anbelangt. Zudem müsse die Politik berechenbarer sein, dies gelte vor allem für die Rente und die Pflegeversicherung. Auch der SPD-Nachwuchs im Unterbezirk steht hinter Schröders Entscheidung. Der Arbeitsaufwand für beide Ämter sei 'enorm' gewesen, so Juso-Unterbezirks-Chef Pascal Lechler aus Kaufbeuren. Die Nominierung Benneters als Generalsekretär begrüßt Lechler ebenfalls. 'Dann bekommen der linke Flügel und vielleicht die Jusos wieder mehr Gewicht.'

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