Germaringen
Sonnige Aussichten

Sie haben schon etliche Anträge für Projekte auf eigener Flur abgelehnt, zuletzt der Nachbargemeinde Jengen in zwei Briefen deutlich die Meinung gesagt, als es um den Neubau eines Solarparks bei Eurishofen ging: Die Gemeinde Germaringen tut sich auch in den Zeiten, in denen regenerative Energiequellen immer wichtiger werden, noch sichtlich schwer, sich mit Fotovoltaikanlagen anzufreunden. Rat Max Klarer brachte es bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats kurz und knapp auf den Punkt: «Auf dem Dach ja, auf der Wiese nein.»

Die größten Sorgen der Germaringer sind zum einen der Verbrauch wertvoller landwirtschaftlicher Flächen, zum anderen die Verschandelung des Landschaftsbildes. Und genau diese beiden Argumente führte das Gremium erneut an, als es bei der Sitzung um die Änderung des Flächennutzungplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Sondergebiet Solar «Solarpark Dachser II» ging.

Wie berichtet, will die Firma Dachser an der Gemarkungsgrenze zu Pforzen im Germaringer Westen in einer inzwischen wieder verfüllten Kiesgrube eine Fotovoltaikanlage errichten. Der zuständige Planer Gerhard Abt (Marktoberdorf) stellte das Projekt nun näher vor. Demnach soll die Anlage auf einem knapp 3,4 Hektar großen Areal entstehen, weit weg von jeder Wohnbebauung.

Rund 2,6 Kubikmeter davon sollen mit bis zu 2,5 Meter hohen Solarmodulen in Ost-West-Richtung verbaut werden, circa 0,7 Hektar sind Grünanlagen, die restliche Fläche machen Einfahrten und Wege aus. Die Zufahrt erfolgt über das Firmengelände. Das etwa 2,7 Millionen Euro teure Projekt sei laut Abt auf eine Produktion von bis zu 1,2 Megawatt Solarstrom pro Jahr ausgelegt, zudem rechne man mit einer jährlichen CO2-Einsparung von 928 Tonnen.

Einsparungen möglich

«Aus energiepolitischer Sicht wäre es für alle Gemeinden gut, auf regenerative Energie umzusteigen. Das ist überschaubar und bringt Einsparungen», meinte Abt. Die Räte hingegen waren davon nicht gänzlich überzeugt. Sie sorgen sich viel mehr um das Wohl der Landwirte im Dorf.

Die landwirtschaftlichen Flächen seien speziell in Obergermaringen rar, die Landwirte müssten fast zu 50 Prozent Flächen außerhalb der Germaringer Gemarkung bewirtschaften, erklärte Bürgermeister Rager. Josef Kreuzer wollte wissen, ob die entsprechende Fläche überhaupt nicht mehr der Landwirtschaft zugeführt werden könne. Das verneinte Abt. In den Auflagen zum Kiesabbau sei seinerzeit eine «extensive Grünlandnutzung» festgeschrieben worden. Sprich: Kein nährreiches Ackerland, sondern schlichte Wiese.

Reinhard Miller schlug vor, die Anlage in eine ausgebeutete Kiesgrube zu bauen, auf tieferem Niveau. Max Klarer vertrat die Meinung, Fotovoltaik sei auf dem Dach viel effektiver, zumal der Flächenverbrauch geringer wäre.

Doch auch hier widersprach der Planer: «Die Dachflächen reichen bei Weitem nicht aus, um einen Standard von 30 Prozent regenerativer Energien zu erreichen», sagte er. Allein auf Dächern würde diese Marke, also knapp 17 Gigawatt Strom pro Jahr, wohl erst in 90 Jahren erreicht.

Nachdem der Planer auch Fragen zum Rückbau der Anlage, zum Landschaftsbild und zum Naturschutz beantwortete, brachten die Räte das Vorhaben doch recht deutlich mit 14:3 Stimmen auf den Weg.

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