Sonne der Karibik

Von Christoph Pfister Sonthofen Die quirlige Welle des Jazz hatte sich mit ihren mitreißenden Rhythmen und ihrer ansteckenden Kraft auf dem nordamerikanischen Kontinent nicht lange bändigen lassen: Bald schon schwappte sie hinüber in die Neue Welt und natürlich erst recht nach Südamerika und in die Karibik. Ob Tango aus Brasilien, Calypso auf Trinidad oder kolumbianische Rumba, die populären Nationalmusiken erhielten sanft belebende Spritzer oder auch gar heftige Unterspülungen. Letztlich gemeinsame Wurzeln aus dem schwarzen Afrika fanden neue, blumige und farbenprächtige Auswüchse. Diese exotisch anmutenden wie tanzbaren Facetten des Jazz bescherte das neue Festival im Sonthofer Hotel Allgäu Stern zum Beschluss der kleinen Serie mit einer geballten Ladung an südamerikanischem Sound durch die renommierte Conexion Latina. Das halbe Dutzend Bläser plus Rhythmus-gruppe, dazu reichlich Percussion und einem stimmgewaltigen Trio an der Spitze, vermag natürlich mächtig Druck zu machen. Da hatten schaurige Wolken und finsteres Gemüt keine Chancen mehr: Die Sonnenwärme der Karibik und die zumindest bei Festen offen gezeigte Fröhlichkeit machte sich wohlig breit nach einer angenehmen Schlemmerei im gastlichen Haus.

Da lateinamerikanische Musik schnell in die Beine geht, mit ihrer klaren Struktur und ihren fein gezirkelten Rhythmen Bewegung geradezu fordert, konnte getanzt werden zu Cha Cha & Co., absolut authentisch präsentiert von einer veritablen Big Band. So vielfältig und durchaus eigenständig, wie die Regionen Südamerikas sind, zeigt sich auch ihre Musik, nicht zuletzt durch die unterschiedlichsten Einflüsse aus Europa und Afrika, die sich mit lokalen Mustern verwoben und in einer wechselvollen Geschichte entwickelt haben. Die Conexion Latina bewegte sich lustvoll durch diese Charaktere, spielte zum Tanz auf und huldigte gleichsam wertvollen Jazz-Varianten. Im präzisen Stakkato die Akzente durch das Blech mit launigen, Solo-Einsprengseln, vital wie variantenreich die Schlaginstrumente, als treibender Block mit satter Fülle die Rhythmusgruppe. 14 Mann aus südlichen Gefilden, Vollblutmusiker mit natürlichem Charme, homogen verbunden und gleichsam brillante Solisten. Eine farbenreiche Fiesta, beinahe schon ein klingendes Lexikon südamerikanischer Orchestermusik, lebendige Präsentation von jazzigen Satelliten. Dass Stimmung und gute Laune, die reichlich von der Bühne ausgeschickt wurden, sich in einem Hotel dezenter übertragen als im Jazzclub, schränkte das musikalische Erlebnis nicht nachhaltig ein.

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