Sogar nach einem Geist wird geforscht

Pforzen | fro | Vor zehn Jahren gab es zum Tag des offenen Denkmals eine Feier in der alten Mühle in Pforzen, bei der der 425. Jahrestag begangen wurde. Inzwischen ist viel passiert: Im Jubiläumsjahr kam die Chronik der Mühle heraus, in der ein privates Handwerksmuseum untergebracht ist. Vor fünf Jahren wurde ein verkleinertes Modell nachgebaut. Eine Besucherin ließ zudem den legendären Mühlengeist auferstehen, und seit einiger Zeit gibt es auch einen Internet-Auftritt.

Chronik noch zu haben

Doch während 4000 Besucher in dem Jubiläumsjahr die Mühle sehen wollten, fand die Chronik nicht so viel Aufmerksamkeit. Sie wurde damals in 330 Exemplaren aufgelegt - noch etwa 100 sind übrig, erzählt Mühlenbesitzer Franz Rotter, der den Bau von seinen Eltern übernahm. Dabei ist das Interesse an der Mühle groß: Rotter zeigt sie in Führungen, an Tagen des offenen Denkmals und hat schon häufig Doktoranden durch die Mühle geführt. Diese sei ein einzigartiges Denkmal, erklärt Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl.

Das hat der inzwischen verstorbene Naturwissenschaftler Otto Haltenberger auf 233 Seiten auch dargestellt. Die Betriebschronik für eine Mühle dürfte Seltenheitswert haben. Haltenberger befasste sich ausführlich mit der Geschichte des Hauses und trug dazu akribisch Urkunden aus diversen Archiven und Museen bei. Dabei ging er auch auf das Leben der Müller und deren Beziehungen zum Kloster Irsee ein. Schließlich war die Mühle das 'wichtigste Unternehmen der Broterzeugung für das Reichsstift und Benediktinerkloster'. Zudem wurde das Pforzener Mehl im Crescentia-Kloster zum Hostienbacken verwendet, fand Haltenberger heraus.

Neben Rotter arbeiteten Bernhard Biechele, Jürgen Kraus sowie Hans und Winfried Schwangart an dem Buch mit. 'Das war eine riesige Arbeit. Deshalb musste ich ein Machtwort sprechen, da Haltenberger immer neue Quellen fand und nicht zum Ende kam', erinnert sich Rotter. Dazu kamen Beiträge von Denkmalpflegern, aus Politik, der Gemeinde und Kirche. Bundestagsabgeordneter Kurt Rossmanith lobte die Mühle als 'materielles Zeugnis der produktionstechnischen Entwicklung der Menschheit'.

In der Mühle sind noch heute die Produktionstechniken ausgestellt - alle waren sie dort in Betrieb. Obwohl das Haus heute Museum ist, setzt Rotter einmal im Jahr den Produktionsablauf in Gang. Obendrein nutzt er den Mühlbach: 'Wir erzeugen mit einer Turbine Strom für 350 Haushalte', so der Landwirt.

Doch dem 'Mühlengeist', der in dem Haus sein Unwesen treiben soll, ist er bislang nur in Form des selbstgebrannten Schnapses begegnet - im Gegensatz zu einer Besucherin, die sogar ein kleines Heftchen über ihre Begegnung mit dem Geist geschrieben hat.

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