Kaufbeuren
«Slambeuren» öffnet seine Pforten

Dass junge Leute - allem kulturpessimistischen Gefasel zum Trotz - nach wie vor Zugang und Wertschätzung für Sprache und Lyrik haben, zeigt die Poetry-Slam-Bewegung. Mit dem gut angenommenen und hochkarätig besetzten Dichterwettstreit im Pic wurde ein erster Schritt getan, um diese besondere Form der Lesung auch im Kaufbeurer Kulturleben zu etablieren.

Für die Initiatoren Mario A. Brakenwagen und Bo Wimmer war dieser mutmaßlich erste Poetry Slam in der Wertachstadt, die sie zu «Slambeuren» machen wollen, ein Experiment mit ungewissem Verlauf (wir berichteten). So lag eine gespannte Erwartung in der Luft, bis nach und nach immer mehr Gäste den Veranstaltungsort füllten. «Ich bin stolz auf Euch», begrüßte Brakenwagen schließlich erleichtert das Publikum. Das brauchte zwar einige Zeit, um sich an die für viele ungewohnte Veranstaltungsform zu gewöhnen. Doch brach nach jedem Vortrag der Slammer anerkennender Jubel aus.

Eingeladen hatten die Veranstalter zehn erfahrene Slammer aus München, Augsburg, Regensburg, Mannheim, Jakobervorstadt, Kirchheim, Starnberg und Hamburg. Auch der Kaufbeurer Max Kehrbaum nahm mit selbst geschriebener Allgäuer Mundartlyrik teil und ergatterte in der Vorrunde immerhin 45 von 50 möglichen Punkten. Das reichte zwar nicht für den Einzug ins Finale, aber für jede Menge Applaus. Am Ende konnte der MC (Master of Ceremony/Zeremonienmeister) Bo Wimmer bei der Auswertung der Applauslautstärke, über die das Publikum den Sieger des Abends bestimmen sollte, keinen Unterschied bei den Finalisten heraushören. So gab es zwei Sieger: Pierre Jarawan und Nico Semsrott.

Die Mischung machte den Abend kurzweilig: Kein Text glich dem anderen, weder beim Stil, noch bei der Vortragsweise, noch beim Inhalt. Die Veranstaltung war ein Potpourri aus emotionaler Poesie, beißender polischer Kritik, genial ironischer Standup-Comedy und dadaistischer Lyrik. Dabei mussten die Text stets aus der Feder des jeweils Vortragenden stammen.

Der Abend zeigte zudem, dass Poetry Slams keine gewöhnlichen Kulturveranstaltungen sind. Es ist egal, ob die Veranstaltung eine halbe Stunde später beginnt, und es ist egal, ob Slammer die Veranstaltung früher verlassen müssen, um ihren Zug noch rechtzeitig zu erreichen. Hier darf jeder sagen, was er denkt, und ein Blatt wird schon gleich gar nicht vor den Mund genommen - in jedem Fall eine Bereicherung des Kulturlebens.

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