Sieben Monate, die das Leben veränderten

Von Manfred Jörg, Buxheim - Auf einen Schlag war die Welt für ihn wieder kleiner. Enger. Das war das erste und stärkste Gefühl von Markus Heigele, als er nun nach rund sieben Monaten wieder daheim ankam. Sieben Monate, in denen der 28-jährige Buxheimer zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Kumpel Bruno Vuglec 36000 Kilometer auf dem Motorrad zurückgelegt hatte (siehe auch Grafik). Auf der so genannten Panamericana, von Halifax an der kanadischen Ostküste bis nach Buenos Aires in Argentinien (wir berichteten). Sieben aufregende und außergewöhnliche Monate, die das Leben der beiden Abenteurer verändert haben. 'Wer nämlich glaubt, dass wir ein halbes Jahr Erholungsurlaub hinter uns haben, der täuscht sich ganz gewaltig', lachen Vuglec und Heigele. Ihr Lachen drückt eine tiefe Gelassenheit aus. Es ist die Gelassenheit zweier Weltenbummler, die wissen, dass sie etwas Gewaltiges geschafft haben. Mit ihren Motorrädern haben Markus Heigele und Bruno Vuglec eine Strecke bewältigt, die beinahe einer Erdumrundung gleich kommt. Ihre eigentliche Leistung lässt sich aber nicht auf dem Tachometer ablesen: 'Wir haben über ein halbes Jahr lang in einem total fremden Umfeld unser Leben organisieren und immer wieder aufs Neue nach Lösungen suchen müssen', blicken die Buxheimer zurück. Mögen andere ruhig Muscheln am Strand sammeln. Bruno Vuglec und Markus Heigele haben von ihrem Trip etwas mitgebracht, was sie sich nicht ins Regal stellen können: prägende Erfahrungen. 'Ich glaube, wir sind ruhiger und geduldiger geworden. Ich denke auch, dass wir jetzt mehr über den Dingen stehen, mehr Rückgrat haben und uns auch künftig nicht mehr so viel gefallen lassen', sagt Ingenieur Heigele.

'Viele Alltagsprobleme in Deutschland wirken nun auch so kindisch auf uns', fügt Automobil-Verkäufer Vuglec hinzu. Denn sie haben in Mittel- und Südamerika Menschen kennen gelernt, die in echten Schwierigkeiten steckten. Zum Beispiel den blutüberströmten Mann in Bolivien, der zuvor von Sicherheitskräften ohne erkennbaren Grund zusammengeschlagen worden war. Die vorsichtigen Buxheimer hatten aber Glück. Ihnen ist während der ganzen Fahrt nichts passiert. 'Wir haben aber nie so tief und ruhig geschlafen wie zu Hause', erzählen sie. Gerade in Mittelamerika hatten sie stets ein Kribbeln im Bauch und waren permanent angespannt. 'Denn wir haben uns immer beobachtet gefühlt. Manchmal haben sich innerhalb von zwei Minuten 50 Leute um uns herum versammelt, wenn wir irgendwo aufgetaucht sind. Da waren wir dann die große Attraktion. Zwei Europäer auf Motorrädern - das war natürlich eine Seltenheit', erinnern sich die Globetrotter. Das größte Problem für sie war die Korruption: In Ecuador beispielsweise verbrachten Vuglec und Heigele wegen einer Unterschrift und eines Stempels einen geschlagenen Tag beim Zoll. Da durften sie zuschauen, wie ihre Dokumente vor ihren Augen auf einem Schreibtisch demonstrativ von rechts nach links und dann wieder von links nach rechts wanderten. 'Wenn wir da gezahlt hätten, wäre es wesentlich schneller gegangen. Haben wir aber nicht', grinsen sie gelassen, geduldig und mit jeder Menge Rückgrat. i Wer mehr über die Tour der beiden erfahren möchte, klickt auf ihre Internet-Seite www. panamericana-tour. com

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