Sie sehen ganz schön müde aus

Von Michael Hanel | Oberstaufen Spätestens seit den 'Prinzen', den 'Wise Guys' oder vielleicht sogar schon seit den 'Comedian Harmonists' erfreut sich der Close-Harmony-Gesang, die künstlerisch wertvollste Boyband-Alternative, großer Beliebtheit. Viele dem Knabenchor entwachsene Talente haben sich bis heute zusammengefunden, um in Vierer-, Fünfer- oder Sechser-Formationen die Klassiker der Unterhaltungsmusik in ein neues musikalisches Outfit zu stecken. Mit überwältigendem Erfolg. Sie füllen Konzertsäle und Fußballstadien. Wenngleich die Fülle der männlichen Gesangsgruppen gewaltig ist, so stechen doch einige Ensembles aus dieser singenden Masse hervor.

Zu letzteren gehört ohne Zweifel 'Vocaldente'. Zu Gast im Kurhaus Oberstaufen präsentieren die fünf Hannoveraner einen Querschnitt aus 80 Jahren Vokalmusik. 'Sie sehen ganz schön müde aus', begrüßt Ansgar Pfeiffer das Publikum, 'aber machen Sie sich nichts draus, wir haben auch gefeiert.' Wer 'Vocaldente' kennt, hat dies auch bemerkt. Ohne Zweifel machen die Jungs eine gute Show, zwei Konzerte am Vortag in Hindelang und Oberstdorf können aber nicht spurlos an den jungen Solisten vorbeigehen.

Virtuose Arrangements

Bemerkenswert daher die Leistung Tobias Wunschiks, der als Bass ein stabiles Fundament für seine Mitstreiter baut und so manche Intonationsschwierigkeit sicher aufzufangen vermag. Liefern Ansgar Pfeiffer (Countertenor) und Johannes Gruber (Bariton) zumeist das harmonische Gerüst für die virtuos angelegten Arrangements, so steht den Tenören Tobias Kiel und Niklas Turmann abwechselnd der Solopart zu und die Sänger überzeugen trotz anstrengender Silvesternacht mit ausgefeilter Interpretation und brillantem Timbre.

'Let’s misbehave', 'Faith', 'Walking on broken glas' - groß ist die Bandbreite dessen, was 'Vocaldente' für sein Publikum zusammengestellt hat und immer wieder begeistert die emotionsgeladene Phrasierung und angenehme Leichtigkeit des Vortrags. Kein Wunder, haben sich die Sänger doch in Workshops der 'King’s Singers' und der 'Real Group' den letzten Schliff verpassen lassen. Hinzu kommen charmante Moderationen und hinreißend ungelenke Tanzeinlagen, die stark an den Vorspann der Cosby-Show erinnern. Selbstironie in jeder Hinsicht.

Bald ist die anfängliche Zurückhaltung bei Publikum und Protagonisten verflogen und 'Vocaldente' läuft zur Hochform auf. Begeistert summen die Zuhörer im Kursaal die bekannten Melodien mit und lassen sich sogar zu kleineren Sprechübungen hinreißen. Zwei Stunden lang gelingt den fünf Sängern Unterhaltung auf hohem Niveau und so haben sich die eingangs besungenen 'Thousand Miles' aus dem hohen Norden bis nach Oberstaufen wahrlich gelohnt.

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