Westallgäu / Eglofs
«Sich zu verkleiden - das gab es schon immer»

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Schon beim Namen scheiden sich die Geister: muss es richtig Fasnacht, Fasnet oder Fasching heißen? Rein historisch und kulturell wirft die närrische Jahreszeit noch einige Fragen mehr auf, etwa: Verbindet dieser Brauch das Westallgäu mehr mit der Schweiz oder mit Oberschwaben? Wir haben einen Spezialisten in Sachen Heimatgeschichte und Brauchtum gefragt, Karl Stiefenhofer aus Eglofs, Vorsitzender des Heimatbundes Allgäu.

Herr Stiefenhofer, was feiern die Westallgäuer eigentlich: Fasnacht, Fasnet oder Fasching?

Karl Stiefenhofer: Wir feiern Fasnet. Mit Fasching ist der Münchner Fasching gemeint, der oberbayerische, mit Bällen und so weiter. Fasnacht ist alemannisch, und Fasnet bedeutet das Gleiche.

Wie alt ist das Brauchtum wie es heute in unseren Breiten begangen wird - mit Narrenzünften und Umzügen?

Stiefenhofer: Heute ist natürlich alles gigantischer als früher. Sich zu verkleiden aber - das gab es schon immer. Vor allem im Winter. Das geht teilweise auf heidnische Bräuche zurück, sogenannte Heisch-Bräuche, bei denen die Menschen etwas erbitten. In Oberstaufen etwa gibt es den Butz, der soll vor der Pest schützen. Schon im Mittelalter war es Brauch, dass Leute in andere Rollen schlüpfen.

Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, die jüngst in Wangen ihr Landschaftstreffen feierte, erstreckt sich über Allgäuer, schwäbisch, badische und Schweizer Gebiete. Ist diese Verbindung historisch zu begründen oder hat sie allein mit der Fasnacht zu tun?

Stiefenhofer: Das ist historisch. Es sind alles alemannische Gebiete: Vorarlberg, die Schweiz, das Elsass und der Schwarzwald. Deshalb wird dort überall die alemannische Fasnachtsbräuche gefeiert.

Guggenmusiken und Lumpenkapellen gehören zu den mitreißenden Elementen in allen Umzügen. Sie sind erst in den vergangenen Jahren aufgekommen. Gibt es historische Wurzeln für diese wilden Kapellen?

Stiefenhofer: Ja, die wilden Kapellen spielen ja schräg und teilweise falsch. Das ist parallel zu sehen zum Verkleiden - verkleidet spielen sozusagen. Diese Variante der Fasnacht ist in der Schweiz entstanden.

Kann es sein, dass diese Lumpenkapellen schon in ein paar Jahren als Westallgäuer Brauchtum anerkannt sind?

Stiefenhofer: Sicher. Brauchtum hat die Eigenart, dass sie vor nichts haltzumachen braucht. Es können auch immer neue Bräuche entstehen. Im Gegensatz zur Tradition - das ist etwas, das es schon immer gibt. Beides - Tradition und Brauchtum - hat immer damit zu tun, dass sich Menschen begegnen und zusammen etwas tun. Ein Mensch allein kann keine Tradition und kein Brauchtum begründen.

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