Selbst die Sparversion wird teuer

Bürgerversammlung in Hergensweiler: Bahnübergänge schlagen den Boden aus der Gemeindekasse Von Susi Donner Hergensweile. Auf mehr als 1,5 Millionen Euro schätzt ein Ingenieurbüro die Kosten, auf denen die Gemeinde Hergensweiler sitzen bleibt, weil die Deutsche Bahn ihre Bahnübergänge abschaffen will. 'Im Grunde sind diese Ausgaben für unsere Gemeinde nicht möglich. Sie werden unsere Finanzen auf Jahre lähmen', klagte Bürgermeister Georg Betz auf der Bürgerversammlung. Die Bahn möchte die Strecke nach Lindau fit für die schnellen Neigetechnik-Züge machen und dafür aus Sicherheitsgründen die ebenerdigen Bahnübergänge auflassen. An ihre Stelle sollen Brücken oder Unterführungen treten, so dass sich Autos und Züge gar nicht mehr in die Quere kommen können. Das Problem für die betroffenen Gemeinden ist, dass sie sich zu einem Drittel an den Kosten beteiligen müssen - und der Neubau von Brücken und Unterführungen geht richtig ins Geld. Welche Kosten die Bahn für die sieben Hergensweilerer Übergänge kalkuliert, ist offen. Das von der Gemeinde beauftragte Ingenieurbüro geht bei seiner Alternativ-Planungen von 10,15 Millionen Euro aus. Davon muss die Gemeinde ein Drittel tragen, erhält aber von ihrem Anteil rund die Hälfte als Zuschuss. Das liebe Geld ist nicht die einzige Sorge. Wenn die Bahnübergänge verschwunden und an anderer Stelle Brücken und Unterführungen stehen, müssen gerade Landwirte längere Wege zurücklegen.

Der Bauer Alfred Biesenberger klagte auf der Bürgerversammlung, dass er dann mehr als einen Kilometer zu seinen Feldern fahren müsse, die nur 150 Meter vom Hof entfernt liegen. Wolfgang Kränzle vom Ingenieurbüro berichtete ausführlich über die Ergebnisse der Studie. Für den Bahnübergang Bahnhofstraße/Pfänderstraße plane die Bahn verschiedene Unterführungsvarianten mit 4,75 Metern Höhe acht Metern Breite. Kostenpunkt: 6,5 Millionen Euro. Das Ingenieurbüro lehnt dies ab, weil an dieser Stelle das Grundwasser sehr hoch anstehe und somit aufwändige Grundwasserwannen, Stützmauern und Bachumlegungen notwendig wären. Dem stellten die Ingenieure eine kleinere Unterführung gegenüber. Durch sie würden allerdings keine Lkw und Traktoren passen, die einen Umweg fahren müssten. Kostenpunkt hier: 2,8 Millionen Euro. Für den Bahnübergang Altmannstraße empfehlen die Ingenieure eine östliche Umfahrung als langfristig sinnvollste Lösung. Der Kreisel an der B12 könne Rupolz direkt mit Hergensweiler verbinden. Welchen Weg die Gemeinde zwischen dem Entwurf des Ingenieurbüros auf der einen Seite und den Planungen der Bahn auf der anderen Seite wählt, steht noch nicht fest. 'Es muss allen klar sein, dass dies die letzte Chance ist, unsere planerischen Bedürfnisse, Ziele, Entwicklungen und die zu tragenden Auswirkungen betreff der Bahnlinie zu artikulieren und sie politisch durchzusetzen', sagte Bürgermeister Betz. Konflikte zwischen Gemeinde, Umwelt, Landwirtschaft und der Deutschen Bahn seien vorprogrammiert, aber es solle nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entschieden werden, sondern gemeinsam geprüft werden, welche Lösungen geschaffen und realisiert werden können. Die Studie über die Auflassung höhengleicher Bahnübergänge in Hergensweiler liegt im Rathaus in Hergensweiler aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018