Füssen
Sein Marschbefehl: Von der Truppe ins Ministerium

Am neuen Standort wird ihm nicht nur das grüne Ostallgäu, sondern auch die Männer und Frauen in «Grün» fehlen: Oberstleutnant Klaus Frauenhoff verlässt nach zwei Jahren turnusgemäß die Allgäu-Kaserne in Füssen. Der neue Einsatzort des Kommandeurs des Gebirgslogistikbataillons 8 ist für ihn vertrautes Terrain: das Bundesverteidigungsministerium in Bonn. Dort ist der 42-jährige Berufssoldat ab kommendem Montag erneut als persönlicher Referent im Dienst - diesmal für den Chef des Stabes im Führungsstab des Heeres.

«Es tut mir sehr leid, jetzt zu gehen», bekennt Frauenhoff vor der heutigen Übergabe seiner Einheit an Nachfolger Bodo Venn freimütig. Denn zum einen habe man im Bataillon gemeinsam viel voran gebracht. Zum anderen seien ihm und seiner Ehefrau Karin Landschaft die Menschen im Füssener Land sehr gelegen - «wir haben hier Vieles intensiv erlebt.»

Sentimental aber wird der gebürtige Münchner nicht: «Es war von Anfang an klar, dass die Zeit hier begrenzt sein wird.» Und so hat er den Umzug von Rieden ins Rheinland nicht hinausgezögert, sondern bereits vor dem offiziellen Stabwechsel abgeschlossen.

Die gestellten Aufgaben konzentriert und effektiv lösen: Dies war Frauenhoff als Kommandeur ein großes Anliegen - ganz nach dem Leitbild der Einheit: «Logistische Leistung, die überall ankommt.» Und noch etwas war wichtig: ein offener, konstruktiver Umgang im gesamten Bataillon. «Wenn man als Vorgesetzter hier Impulse geben kann, freut einen das natürlich.»

Wobei die Bundeswehr inzwischen weit mehr als nur Befehl und Gehorsam als Grundpfeiler ansehe. Eigeninitiative, Mitverantwortung, Projektmanagement - für Frauenhoff alles Begriffe, ohne die es bei der Truppe heute nicht mehr rund laufe.

Belastung steigt

«Mit den Anforderungen steigt natürlich auch die Belastung», spricht der Kommandeur die Schattenseite dieser Entwicklung an. So steige auch bei der Bundeswehr die Zahl der Kameraden mit «Burnout»-Syndrom spürbar an.

Tief eingebrannt ins Gedächtnis haben sich dem 42-Jährigen die Eindrücke beim viermonatigen Kosovo-Einsatz, den rund 400 Soldaten des Bataillons 2008/2009 absolvierten. «Die Einsatzbereitschaft und die Kameradschaft dort waren absolut beeindruckend», betont Frauenhoff. 14, manchmal 16 Stunden pro Tag hätten die Füssener Soldaten im Feldlager Prizren dafür gesorgt, dass Fahrzeuge und Material anderer Einheiten rund um die Uhr einsatzfähig sind. «Einige musste man regelrecht zum Ausruhen schicken», verdeutlicht der Kommandeur. Wobei das Weihnachtsfest fernab der Heimat für manchen schwere Kost gewesen sei.

Zweifel an den Auslandseinsätzen seien ihm nie begegnet, so Frauenhoff - weder bei sich selbst noch bei seinen Soldaten. «Ich habe höchstens von den alten Hasen gehört, dass ihnen der Veränderungsprozess zu langsam geht.» Gerade im Kosovo habe die Bundeswehr die Zivilbevölkerung direkt unterstützt, etwa beim Decken von Dächern oder Reparieren von Wasserleitungen. «Das Gefühl, etwas für dieses Land getan zu haben, war für unsere Soldaten sehr wichtig.»

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