Buchenberg
«Schwarzer Bock»: Licht aus, Telefon tot, Tür zu

Schöne Bescherung: Wie jetzt bekannt wurde, musste mancher Tourist kurz vor Weihnachten und zwischen den Jahren enorme Flexibilität beweisen, um doch noch Urlaubsfreuden rund um Buchenberg genießen zu können. Gebucht hatte er eigentlich im Hotel in Buchenberg-Hölzlers. Dort allerdings standen die Gäste vor verschlossener Tür und einem provisorischen Schild, das dem Ankömmling sinngemäß verriet: Leider sei der Betrieb hier eingestellt worden und man möge sich doch bitte wegen einer Übernachtung an die Sommerau wenden.

Das abrupte Ende eines alt eingesessenen Familienbetriebs mit großer Tradition in Buchenberg, das lange unter dem Namen «Schwarzer Bock» geführt wurde. Quasi über Nacht wurden dort die Türen verriegelt. Wählt man in diesen Tagen die Telefonnummer, ertönt rund um die Uhr das Besetztzeichen. Tote Telefonleitung, die Internetseite ist gelöscht.

Kein Kontakt

Jene, die zu den letzten Gästen des Restaurants gehörten, waren die Fußballer des Ortes. Sie erinnern sich immerhin an eine gelungene Weihnachtsfeier. Kurze Zeit später war Schluss im einstigen «Schwarzen Bock», und wie es dort weiter gehen soll, ist momentan unklar. Selbst Bürgermeister Toni Barth zuckt mit den Schultern: «Für die Gemeinde wäre zwar wichtig, dass der Hotel- und Restaurantbetrieb weitergeführt wird.

Aber zum ehemaligen Besitzer habe ich zuletzt keinen Kontakt mehr gehabt.»

Wenn man sich im Ort ein wenig über das Hotel in Hölzlers umhört, dann fällt oft das Wort «dubios». Der einstige Inhaber, heißt es, solle seit geraumer Zeit seinen Wohnsitz in Frankreich haben.

Fakt ist, dass der Inhaber den «Schwarzen Bock» vor zweieinhalb Jahren in großem Stil umbauen ließ und die neue Anlage fortan Hotel Adlib (abgeleitet vom lateinischen «ad libitum», bedeutet «nach Belieben») nannte. «Der neue Name», verriet er damals im Gespräch mit unserer Zeitung, «soll eine neue Philosophie verkörpern.» Weg vom Herkömmlichen, hin zum Modernen, angelehnt ein bisschen an Gastronomie-Strategien aus den USA. Immerhin arbeitete der Inhaber einige Jahre in Übersee.

Die Bettenzahl erhöhte er ums Doppelte auf knapp 80, in die Höhe gezogen wurden neue Ferienhäuser, sogenannte Cubes. Doch die erhoffte Mehrzahl an Gästen blieb im ersten Jahr aus.

Der Inhaber unterrichtete eines Tages den Bürgermeister über größere finanzielle Schwierigkeiten, meldete Insolvenz an und verlegte offiziell seinen Wohnsitz nach Frankreich. Dort können im übrigen Insolvenzverfahren schneller über die Bühne gebracht werden als in Deutschland (mitunter innerhalb eines Jahres). Beim Hotel hingegen übernahm eine Pächterin die Geschäfte. Allerdings: Der vorherige Inhaber wurde auch in dieser Zeit regelmäßig in Hölzlers gesehen.

Dass die Türen im einstigen «Schwarzen Bock» nicht zu lange verschlossen bleiben, hofft Buchenbergs Bürgermeister Toni Barth. Denn zuletzt bestätigte auch eine an der Fachhochschule Kempten in Auftrag gegebene Studie, dass die Gemeinde im Oberallgäu für viele Urlauber eine willkommene Adresse sei. Barth: «Es wäre schon wichtig, dass die Übernachtungsmöglichkeiten dieses Hotels nicht wegfallen.»

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