Schulverband stoppt Sozialarbeiter-Stelle

Marktoberdorf/Ostallgäu (jth). - Die Chance, dass ein Jugendsozialarbeiter im kommenden Schuljahr an der Marktoberdorfer Haupt- und Berufsschule eingestellt wird, ist gegen null gesunken. Zwar stimmte der Jugendhilfeausschuss des Kreistages mit einer Gegenstimme (Dr. Manfred Wilde) für den von Hauptschul-Leiter Leonhard Reichhart gestellten Antrag. Der Hauptschulverband Marktoberdorf entschied sich jedoch in dieser Woche mit sieben zu fünf Stimmen gegen den Antrag. Hauptschul-Rektor Reichhart hatte in einem zweiseitigen Schreiben die Notwendigkeit der Arbeit eines Sozialarbeiters an der Haupt- und Berufsschule dargestellt. Nach den Worten Reichharts haben sich auch im Einzugsgebiet der Oberdorfer Hauptschule, die mit rund 800 Schülern zu den größten Hauptschulen Bayerns zählt, die 'gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen in den letzten Jahren beschleunigt'. Da die Betreuung verhaltensauffälliger Schüler 'besonderer sozialpädagogischer Maßnahmen' bedürfe, welche die Lehrer an der Schule nicht mehr alleine leisten können, sei die Arbeit eines Sozialarbeiters sehr zu wünschen.

Kosten: 45000 Euro pro Jahr Reichhart bezifferte gegenüber unserer Zeitung die Kosten eines Sozialarbeiters auf etwa 45000 Euro pro Jahr. Als Träger der Stelle hätte sich die Katholische Jugendfürsorge bereit erklärt. Für die Finanzierung hatte Reichhart folgendes Lösung angedacht: 10 Prozent Katholische Jugendfürsorge, 40 Prozent Zuschuss für Personalkosten des Modellprojekts vom Freistaat, 50 Prozent sollten zwischen Kreis sowie Stadt und Landgemeinden aufgeteilt werden. Um die Kosten besser zu verteilen, schwebte Reichhart vor, den Sozialarbeiter zu einem Drittel an der Berufsschule und zu zwei Dritteln an der Hauptschule zu beschäftigen. Anfang der Woche schienen die Karten für Lehrer und Elternbeirat der Hauptschule gar nicht schlecht zu stehen. Kreisjugendamts-Leiterin Petra Mayer betonte vor dem Jugendhilfeausschuss, dass der Sozialarbeiter als Prävention 'sinnvoll und notwendig' sei. Dem schloss sich auch Schulamtsdirektor Karl Happ an, der berichtete, dass die Kreise Ostallgäu und Donau-Ries Schlusslicht in der Liste der Schul-Sozialarbeiter in Schwaben seien. Lediglich Gymnasiallehrer Manfred Wilde sah die Notwendigkeit eines Sozialarbeiters nicht. Dieser könne 'nur Symptome lindern, nicht die Wurzel der Probleme anpacken', argumentierte er. Bis auf Wilde stimmten jedoch alle Mitglieder für den Antrag.

Landgemeinden lehnen Antrag ab Gescheitert ist der Antrag dann jedoch am Marktoberdorfer Hauptschulverband. In diesem Gremium sitzen unter anderem die Bürgermeister von Marktoberdorf, Lengenwang, Stötten, Rettenbach und Wald. Vertreter der Landgemeinden stimmten angesichts der schlechten Finanzlage zusammen mit Manfred Wilde und Peter Grotz gegen den Antrag der Hauptschule. Damit hatten die Gegner zwei Stimmen mehr als die Befürworter Werner Himmer, Axel Maaß, Geoffrey Cheeseman, Uta Brunnhuber und Herbert Eigler. Am Tag nach der Abstimmung bezeichnete Reichhart die Entscheidung als 'sehr kurzsichtig'. Damit sei die Chance, einen Sozialarbeiter einstellen zu können, heuer vergeben worden. Gegenüber der AZ sagte Axel Maaß, dass er die Argumente des Lehrers Manfred Wilde 'gar nicht nachvollziehen' könne. Auch die schlechte Finanzlage der Gemeinden ließ Maaß nicht als Argument für das Veto der Vertreter der Landgemeinden gelten. Die Kosten hätten jährlich in einer Größenordnung zwischen 700 und 1000 Euro, je nach Anzahl der Schüler aus dem jeweiligen Ort, pro Gemeinde gelegen. Auch Bürgermeister Himmer zeigte sich nicht erfreut über die Abstimmung. Er merkte jedoch an, dass auch der Antrag für einen Sozialarbeiter in Füssen 'erst im dritten Anlauf' befürwortet worden sei. Himmer hofft nun, dass ein ähnlicher Antrag im nächsten Jahr eine Mehrheit findet: 'Hoffentlich wächst die Erkenntnis einiger bis dahin.'

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018