Schon seit dem Mittelalter unter rot-weißer Flagge

Oberstdorf l apü l Die Gästezeitung 'Oberstdorf Magazin' ist seit der jüngsten Ausgabe komplett rot - doch was hat diese Farbe mit der Marktgemeinde zu tun? Der Blick auf die Frontfassade des 'Alten Rathaus' am Marktplatz lässt ahnen, worum es geht: Die Grundfarbe des Oberstdorfer Wappens mit dem nach rechts springenden Schimmel ist kräftig rot.

Folgendes beschreibt der Lokalhistoriker Dr. Thaddäus Steiner 1978 im Band 1 der Geschichte des Marktes Oberstdorf: Nach mehr als zweihundertjähriger Herrschaft erlosch 1351 die Macht der Rettenberger als 'Herren von Obrostdorf'. Der letzte Ritter, Heinrich von Rettenberg, hinterließ nur zwei Töchter: Elisabeth und Adelheid. Letztere heiratete Otto Truchsess von Waldburg und erbte die südlichen Teile der väterlichen Besitzungen, zu denen auch das heutige Kleinwalsertal und der Markt Oberstdorf gehörten.

Wegen seiner hohen Schulden, die er bei Oswald und Marquard Heimenhofen gemacht hatte, sah sich der Waldburger Schlossherr aber gezwungen, das Erbe seiner Gemahlin am 21. Juli 1351 vertraglich den Gebrüdern Heimenhofen zu überschreiben, die durch Söldnertruppen im Dienste der Stadt Pisa vermögend geworden waren.

Damit wurde das Dorf 'Obrostdorf' heimenhoferisch und musste fortan als Eigentumszeichen auch das entsprechende Wappen 'im Schilde' führen. Eine verbürgte Urform des Heimenhofer’schen Wappens findet sich auf der Rückseite des Altars in der Kapelle von Berghofen zwischen Sonthofen und Burgberg.

Durch Erbteilungen und die Bauernkriege hatten jedoch auch die Heimenhofer nach 126 Jahren ihre Besitzungen abgewirtschaftet. So gelangte Oberstdorf, das zwischenzeitlich von familiären Nacherben schon teilweise veräußert worden war, 1477 ganz in den Besitz des Hochstiftes Augsburg und blieb für die nächsten 325 Jahre unter fürstbischöflicher Herrschaft.

Aber trotzdem behielt Oberstdorf das Heimenhofer-Wappen und die Fahnenfarben Rot/Weiß bei - auch als es nach der Säkularisierung am 4. September 1802 'bairisch' wurde und damit unter die weiß-blaue Flagge des damaligen Königreichs und heutigen Freistaats Bayerns kam.

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