Schöffen aus dem Schuhkarton

Sonthofen/Oberallgäu | pts | Jene Amtshandlung, die jetzt beim selbständig gewordenen Amtsgericht Sonthofen unter den Augen von Direktor Alfred Reichert erfolgte, hatte nichts Erhebendes an sich. Richterin Brigitte Gramatte-Dresse in ihrer schwarzen Robe griff nach einer Schuhschachtel mit gefalteten Zetteln. Und Karin Zwick von der Geschäftsstelle Strafsachen, ebenfalls im schwarzen Habit, notierte die gezogenen Namen von Hauptschöffen, Hilfsschöffen, Jugendschöffen und Hilfsjugendschöffen.

Nachdem die bisherige Justiz-Filiale von Kempten ihre nachgeordnete Rolle abstreifen konnte (wir berichteten), durfte sie aus dem Kreis der gewählten ehrenamtlichen Richter ohne Robe am Amtsgericht Kempten eigene Schöffen für sich reklamieren. Voraussetzung: Die Beisitzer haben ihre Wohnadresse im Sonthofer Amtsgerichts-Bezirk.

Nach dem Zufallsprinzip wurden sie nun paarweise den in den nächsten Monaten anstehenden Strafverfahren zugeordnet. 28 Namen von zivil gekleideten ehrenamtlichen Richtern, die künftig den bisherigen Einzelrichtern in Sonthofen zur Seite sind, befanden sich in der 'Wahlurne'. Durch das Losverfahren entstanden bunt zusammengewürfelte 'Pärchen', die demnächst ein strenges oder vielleicht auch mildes Auge auf die Delinquenten auf der Sünderbank werfen. Zehnmal im Jahr müssen die 'Pärchen' ran.

Die jetzige Prozedur war nicht aufschiebbar bis zu einer Neuwahl von Schöffen, die ab Januar 2009 ansteht. Dabei wird jetzt schon in den Gemeinden und Städten des Oberallgäus mit der Rekrutierung unparteilicher, eigenständiger und reifer Persönlichkeiten für die neue Amtszeit bis 2013 begonnen. Der Sitzungsdienst kann durchaus sehr anstrengend sein. Doch wer denkt, viele Bürger ducken sich vor einem solch verantwortungsvollen Ehrenamt weg, der liegt falsch. Karl-Heinz Pfeil und Andrea Brutscher von der Sonthofer Stadtverwaltung wissen zu berichten, dass sich bei früheren Aufrufen bis zu 60 Bewerber gemeldet hatten. Dadurch wird die juristische Auflage, einen repräsentativen Querschnitt durch die Bevölkerung für den Ehrenrichter-Posten zu gewinnen, doch wesentlich erleichtert. Die Sonthofer Gemeindebediensteten bereiten derzeit wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den anderen Rathäusern die Suche nach neuen Schöffen vor.

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