Schnellen Schrittes die Zeitung ausgetragen

Scheidegger Zeitungszustellerin lässt sich durch Schnee nicht unterkriegen Scheidegg (uko). 'Das Zeitungsaustragen hält mich gesund und munter. Und mein Gewicht bleibt konstant,' erzählt Sieglinde Schorer schmunzelnd. Flink läuft die Rentnerin bergauf- und bergab, kraxelt über Schneetürme und zerrt ihren Zeitungskarren hinter sich her. Dass sie 67 Jahre alt ist, merkt man ihr nicht an. Auch nicht, dass sie in den letzten Tagen ganz schön mit dem Schnee kämpfen musste. 'Kriminell' sei es teilweise gewesen, sagt sie - und fügt hinzu, dass der Schnee auch sehr romantisch sei.

'Zurzeit fangen mein Mann und ich erst um 4.30 Uhr an, also eine Stunde später als sonst.' So sei das Laufen leichter, weil die Wege bis dahin schon gut geräumt seien. Ihre 74 Zeitungen transportiert sie entweder auf einem Schlitten oder ihrem Karren. Teilweise schnappt sie sich jedoch einfach einen Stapel Zeitungen und läuft 'schnell mal' ein paar eng beieinander liegende Häuser ab. Denn der Karren sei doch manchmal etwas hinderlich, gerade bei Abkürzungen, erzählt die Scheideggerin. 'Ich habe mein Gefährt leider auch schon an einer Ecke vergessen und hups, musste ich erst einmal den Weg wieder zurück.' Man dürfe nämlich nicht träumen oder in Gedanken 'einen schwierigen Brief verfassen', erklärt sie. Ein bisschen aufpassen müsse man schon. Acht geben heißt es auch bei eisigem Untergrund, meint die Hausfrau und vierfache Mutter, während sie unverdrossen die x-te Zeitungsbox vom Schnee befreit. Das werde von den Anwohnern immer wieder vergessen, obwohl niemand gerne eine nasse Zeitung bekomme. Beschwerden gebe es nur selten, und ihre paar Sonderfälle kenne sie mittlerweile. 'Ob ich die Zeitung ein bisschen mehr oder nur halb hinein schiebe, ist für mich egal.'Bewegung verordnet Seit einem Jahr sorgt sie in Teilen von Scheidegg für die tägliche Zeitung. Vorher hat sie Urlaubs- oder Krankenvertretungen gemacht. 'Ich liebe das Laufen und die Natur. Wenn morgens die Vögel zwitschern oder der Sternenhimmel funkelt, geht die Arbeit wie von selbst.' Eigentlich habe ihr Mann mit dem Austragen angefangen, vor vierzehn Jahren, als der Arzt ihm Bewegung verordnete. 'Irgendwann habe ich ihn gefragt, ob er nicht was Sinnvolles tun könnte, anstatt immer nur spazieren zu gehen,' erinnert sich die rüstige Rentnerin mit dem energischen Kurzhaarschnitt. In der Firma, in der ihr Mann damals arbeitete, habe zufällig ein junger Mann Zeitungen ausgetragen. Als der keine Lust mehr hatte, sei ihr Mann für ihn eingesprungen. 'Das ist ein netter Nebenverdienst, aber recht anstrengend neben dem Hauptjob', findet die 67-Jährige. Als Rentnerin könne sie nach dem Austragen ein kleines Schläfchen halten, gemütlich frühstücken - und der Tag sei um 9 Uhr immer noch jung. 'Aber wir haben dann schon einiges geschafft.'Mit den Wintertemperaturen habe sie keine Probleme. Im letzten Sommer sei es dafür morgens schon so warm gewesen, 'da konnte ich im T-Shirt laufen.' Gegen die Kälte schützt sie sich mit einer windundurchlässigen Jacke und dicken Schneeschuhen. Trotzdem findet sie es herrlich, wenn sie auf ihrer Strecke an dem ehemaligen Bauernhaus mit den Pferden vorbeikommt. 'Da muss ich durch den Stall, um die Zeitung abzugeben. Bei den Pferden ist es schön warm, nur kann ich mich ja leider nicht lange aufhalten.' So muss ein 'Guten Morgen, Pferdle' reichen und weiter geht es. In gut zwei Stunden bewältige sie im Moment ihre Tour im Gegensatz zu den sonst 90 Minuten. Vielleicht sollte sie eine Erschwerniszulage beantragen, meint Schorer augenzwinkernd.

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