Schikane und Entmündigung der Senioren

Kempten(bec). - Für Aufregung sorgt derzeit eine von der EU-Kommission geplante Neuregelung: Wer 65 Jahre und älter ist und seinen Führerschein behalten will, soll künftig alle drei Jahre körperlich sowie geistig auf seine Fahrtauglichkeit getestet werden (AZ berichtete). Die Meinungen zu dem Vorhaben gehen bei Kemptener Senioren auseinander. Von Diskriminierung, aber auch von mehr Sicherheit für alle ist die Rede. 'In dieser Form empfinde ich den Plan als Schikane für Senioren', sagt der Kemptener Stadtrat und Spediteur Hans Endras. Für den 74-Jährigen seien die vorgesehenen Tests eine 'Entmündigung älterer und erfahrener Autofahrer'. Und: 'Da will die Politik die Regulierungsdichte zurück fahren, stärkt aber so den Bürokratismus.' Schließlich würde eine solche Regelung mehr Kosten verursachen. Endras ist überzeugt, dass man die Eigenverantwortung älterer Menschen nicht gänzlich außer Acht lassen dürfe: 'Wenn ich einmal merke, dass ich mich unsicher fühle, gebe ich meinen Führerschein ganz von selbst ab.' Als überflüssige bürokratische Maßnahme, die ältere Menschen wie Behörden nur finanziell belasten würde, bezeichnet auch Gisela Bock als Vorsitzende der Liberalen Senioren Bayerns den EU-Plan. Denn alle Statistiken belegten, dass Senioren bei den Unfallverursachern an letzter Stelle stünden. 'Warum also diese Diskriminierung der Älteren?', fragt Bock. Wenn schon aufgezwungene Fahrtauglichkeitstests, dann für alle. Dieser Ansicht ist Lothar Köster, Leiter beim Haus der Senioren. 'Natürlich wäre es bei manchen älteren Autofahrern besser, wenn sie ihren Schein abgeben würden.' Allerdings belege die Statistik, dass eher ungeübte Fahrer Unfälle verursachten. 'Generell bin ich nicht gegen solche Tests', meint der 59-Jährige. Aber die dürfe man nicht allein am Alter festmachen, sondern solle sie im Zehn-Jahres-Rhythmus für alle Fahrzeugführer festlegen.

Prüfungen dienen der Sicherheit Keine Probleme mit der Prüfung im dreijährigen Turnus hätte Michael Teufele. Der 79-jährige Vorsitzende des Seniorenclubs 'Aktiver Lebensabend' hat dazu eine klare Meinung: 'Unfälle, die Senioren verursacht haben, gibt's doch immer wieder.' Regelmäßige Prüfungen seien für ihn keine Diskriminierung, sondern dienten eher zur Sicherheit. Und das nicht nur für andere, sondern vor allem für die Senioren selbst.

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